Mehr Demokratie wagen: Stadtwikis als Kommunikationsplattform

Eigentlich thematisiert dieses Blog ja nur unternehmensbezogene Fragen. Aber heute sei mal der Blick über den Tellerrand hinaus gestattet und ein Blick in das Web 2.0 der Kommunalpolitik geworfen. In den letzten Jahren haben sich nämlich eine Reihe von Stadtwikis entwickelt, die größtenteils von engagierten Bürgern initiiert wurden.

Schöne Beispiele sind Karlsruhe oder München. Weniger schön, weil noch weitgehend leer, ist es in Murrhardt. Thorsten Koch geht in seinem Blog näher auf Stadtwikis ein (sowie das gesamte Themenfeld E-Government; sehr empfehlenswert und noch ziemlich allein auf weiter Blog-Flur). Fazit für mich: Mehr Demokratie ist derzeit noch nicht zu erwarten, Stadtwikis entwickeln sich gemächlich und die Musik im Web 2.0 spielt überwiegend woanders.

Und dennoch lassen sich hier zwei wesentliche Trends ablesen:

  1. Das Wisssen zieht unaufhaltsam ins Internet und wird zudem öffentlich und quasi omnipräsent.
  2. Die Menschen bringen sich gerne ein und wirken mit, so sie die Gelegenheit dazu erhalten.

Wer noch die gesellschaftskritischen Äußerungen etwa eines Neil Postman im Ohr hat (“Wie amüsieren uns zu Tode”), der das Internet noch nicht kannte und im massiven Fernsehkonsum die Gefahr des Untergangs unserer Zivilisation sah, kann sich heute nur wundern (oder erleichtert aufatmen).

Das Internet ist kein Medium der passiven Unterhaltung. Hier geht es vielmehr um aktive Teilnahme, auch wenn die Ansätze dazu etwa im kommunalen Bereich noch etwas verhalten anmuten. Immerhin: Die Veränderung hat auch hier begonnen und sie wird nicht bei den Online-Lexika der Stadtwikis stehen bleiben. Diese sind nur der Auftakt zu viel weiter reichenden Formen der E-Partizipation.

Dass sich die Politik (nicht nur die kommunale) damit noch schwer tut, berichtet aktuell Monika Porrmann von der re-publica. Und Nachholbedarf haben auch noch viele Unternehmen, wenn auch hier die Erkenntnis, dass ein guter Internetaufritt unerlässlich ist, jetzt auf breiter Front vorhanden sei, wie mir Uwe Gebert von der Internetagentur seven-x-media heute berichtete. Das ist doch schon mal was, oder?