April 2007

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Wenn das Wochenthema sich mit Wikis beschäftigt, kommen wir natürlich nicht an der Wikipedia vorbei. Dabei handelt es sich um das weltweit größte Onlinelexikon auf der Basis von Social Software. Jeder (der über einen Internetanschluss verfügt) kann daran mitschreiben und es müssen keine ganzen Artikel sein: Kleinere Ergänzungen oder Aktualisierungen, zusätzliche Links auf andere Websites oder schlicht die Korrektur von Rechtschreibfehlern.

Und genau darin liegt die Stärke dieses Mediums und der Grund, warum sich Unternehmen damit beschäftigen sollten. Was anfangs kaum beachtet und dann eine Zeitlang skeptisch kritisiert wurde, hat sich in aller Stille zu einem Medium entwickelt, das im Englischen die berühmte Encyclopedia Britannica und im Deutschen den Brockhaus überholt hat. Und das nicht nur quantitativ: Auch qualitativ steht die Wikipedia den beiden Traditionslexika nicht mehr nach.

Die Wikipedia gibt uns einen Eindruck davon, wie Wissen im 21. Jahrhundert gehandhabt und verbreitet wird. Wer immer noch skeptisch ist, sollte sich das Video mit Jimmy Wales, dem Gründer, ansehen (oder zumindest mal kurz reinklicken). Wer die Bilder sieht merkt sofort, dass hier kein idealistischer Träumer spricht, sondern ein visionärer Manager, der ganz genau weiss, was er macht und was er will.

Der Beitrag stammt aus dem Sommer 2005, Jimmy Wales sprach damals auf der (berühmten) TED-Konferenz. Das Video hat bis heute nichts von seiner Strahlkraft und Aktualität verloren.


Ein Schwachpunkt der Wikipedia sei an dieser Stelle allerdings nicht verschwiegen: Was klein und kostengünstig begann, ist mittlerweile ein ziemlich teures Unterfangen, weil die EDV-Infrastruktur für ein derart umfangreiches Projekt doch erhebliche Mittel bindet. Die Stiftung, von der die Wikipedia betrieben wird, ist denn auch auf Mittelzuflüsse (Spenden) angewiesen und selbst das Budget für 2007 ist demnach noch nicht in trockenen Tüchern…

Wirtschaftlich betrachtet steht die Wikipedia somit alles andere als auf stabilen Beinen. Sofern die Stiftung nicht in absehbarer Zeit ein ausreichendes Stiftungskapital erhält, wird man sich wohl mit dem Thema “Werbung” anfreunden müssen. An diesem Punkt zumindest must Jimmy Wales wohl noch etwas umdenken.

Seitdem ich blogge beschäftigt mich der Gedanke, diesem Blog jede Woche eine Art Schwerpunkt- oder Wochenthema zu geben. Damit soll ein bestimmtes Thema im Laufe einer Woche aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet oder mit unterschiedlichen Beispielen dargestellt werden. Auch die Interviews, die ich vor zwei Wochen eingeführt habe, können dazu einbezogen werden.

Diese Woche geht es also los. Das Thema sind Wikis, durch die betriebswirtschaftliche Brille betrachtet und im Hinblick auf mittelständische Unternehmen beschrieben. Daneben wird natürlich noch Raum sein für Artikel zu anderen Themen, insbesondere wenn sich dies aus aktuellem Anlass ergibt.

Als meine Leser müssen Sie dies nicht stumm wie die Fische ertragen – schreiben Sie mir, was Sie davon halten oder machen Sie Vorschläge für weitere Wochenthemen. Sie können mir auch schreiben, wenn Sie der Meinung sind, dass ich meine Leser (wie in der Blogosphäre weithin üblich) an dieser Stelle eher duzen sollte – ich habe gezögert und mich dann doch für das “Sie” entschieden…

Ein Blog wie aus dem Märchen…

So stellt man sich Frankreich vor! Ein privates Küchenblog mit nichts als tollen Rezepten und appetitlichen Bildern. Auch wer kein Französisch kann: Einfach mal reinschauen und in den Bildern schwelgen! Auf dem Foto hier abgebildet ist eine Vorspeise mit Kaviar (die gut zum Layout meines Blogs passt)…

Der britische Unternehmensberater Euan Semple hat neulich in einem vielbeachteten Blogbeitrag die These vertreten, Unternehmer und Manager sollten in Sachen Web 2.0 nichts tun sondern einfach abwarten. Die aktiven und dynamischen Mitarbeiter würden sich der Instrumente schon ganz von selbst bedienen, Wikis entwickeln, Blogs schreiben und Inseln in Second Life bebauen. Der einzige Nachteil sei, dass dies dann eben nicht hinter der Firewall des Unternehmens geschehe, sondern praktisch “draussen”.

Andrew McAfee von der Harvard Business School pflichtet ihm bei. Tatsächlich hört man von amerikanischen Unternehmen, dass es genau so passiert sein soll, etwa bei Motorola. Aber ist das auch ein Modell für den deutschen Mittelstand?

Im Unterschied zu amerikanischen Konzernen ist der Mittelstand hierzulande noch vergleichsweise zentralistisch aufgebaut mit einer sehr starken Fokussierung auf die (Inhaber-) Geschäftsleitung. Die Idee von Euan Semple schlägt hier schon aufgrund der Mentalität bzw. Philosophie fehl. Was nicht von “oben” sanktioniert wird, ist mehr oder weniger tabu.

Und damit wären wir bei Thomas Knüwer und seiner Generation Web 0.0. Denn nicht wenige mittelständische Unternehmer führen noch ein Leben weitgehend ohne Internet. Und in gar nicht so wenigen Betrieben wird das Internet nicht wirklich gern gesehen, weil es im Verdacht steht, die Mitarbeiter von der Arbeit abzuhalten…

Aber, und das muss an dieser Stelle auch gesagt werden, ein Wandel zeichnet sich ab: Im Zuge so mancher Unternehmensnachfolge bringt die nachrückende Generation frischen Wind ins Haus (vorausgesetzt, der Senior hat wirklich aufgehört Einfluss zu nehmen).

Der “frische Wind” in Sachen Web 2.0 kann aber gefährlich abflauen, wenn das zutrifft was uns Richard MacManus aus Australien auftischt: Er zitiert eine Umfrage von Forrester Research, die zeigt, dass Manager bzw. Unternehmer die Instrumente des Web 2.0 deutlich lieber kauften und einführten, wenn sie ihnen von großen und bekannten Firmen wie IBM oder Microsoft angeboten würden.

Hürden über Hürden! Und doch ist Hoffnung in Sicht, denn der Generationenwechsel betrifft nicht nur die Chefetagen des Mittelstandes. Von unten wächst allmählich eine Mitarbeitergeneration nach, die MySpace und YouTube ganz selbstverständlich kennt und nutzt, und bei Gelegenheit den Chef vielleicht fragt, wie er es mit Twitter hält. Spätestens dann muss er Farbe bekennen!

Ich schließe mich deshalb Ross Dawson an, der empfiehlt, eben nicht abzuwarten bis das Web 2.0 von selber den Weg durch das Werkstor findet. An den Unternehmern liegt es, Grundlagen zu legen und ein Klima zu schaffen, in dem die Mitarbeiter dann Neues ausprobieren können.

Wer sich übrigens darüber mokiert oder wundert, warum ich Blogs aus aller Welt zitiere, nur keine aus Deutschland: Das ist keine böse Absicht, allein es schreibt hier kaum jemand über diese Themen….

Eben finde ich bei Robert Basic einen selten langen Artikel über die Frage, ob durch die vermehrte Beteiligung von Medienverlagen an der Blogosphäre den klassischen A(mateur)-Bloggern das Wasser abgegraben wird. Ihren Ursprung nahm diese Debatte mit dem Beitrag von Olaf Kolbrück (off the record). Er sieht mehr Wettbewerb kommen getreu dem Motto “Das Bessere ist der Feind des Guten”. Robert Basic hält dagegen und sieht den engagierten Amateur im Vorteil, der mit Herzblut gewissermassen sein Blog verteidigt und mit einer guten Nischenstrategie den großen Verlagen (und ihren teuren Apparaten) trotzt.

In meinen Augen denken beide etwas statisch. Die Blogosphäre wird sich schon allein dadurch wandeln, dass es immer mehr Leser werden. Blogs sind einfach ein sehr gutes Kommunikationsmedium und dieser Umstand kann nicht auf Dauer nur von einer homogenen Insider-Szene gesehen und genutzt werden.

In dem Maße aber, wie diese “Szene” wächst, wachsen auch die Ansprüche was Qualität und inhaltliche Breite anbelangt. Wie wird den die Situation aussehen, wenn erst einmal große Unternehmen (nicht nur aus der Medienbranche) richtig einsteigen? Etwa die Lufthansa mit einem (oder mehreren) Logistik-Blogs? Oder die Deutsche Bank mit Meinungen und Analysen zu den Finanzmärkten?

Dann haben wir auch in Deutschland Verhältnisse wie in den USA. Die klassischen Medien (Print, Fernsehen…) werden gar nicht die dominierende Rolle in der Welt der Blogs spielen, sie haben bzw. entwickeln ihre eigenen Formate (Paid Content). Aber die großen und kleinen Unternehmen werden früher oder später alle bloggen, weil sie den direkten Draht zu ihren Kunden bzw. zur Öffentlichkeit brauchen werden.

Und da wird dann die Frage sein, wer auf Dauer einen originellen Content regelmässig und stetig liefern kann. Das lesen die Leute dann, egal ob dahinter ein Großkonzern oder ein A(mateur)-Blogger steht. Insofern hat Robert Basic gar nicht so Unrecht, wenn er Chancen für die “Kleinen” sieht, die mit Engagement und Originalität punkten können. Das Rennen ist also noch nicht gelaufen, aber spannend wird es allmählich…

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