Forex Trading für Anfänger: Chancen und Risiken

Forex Trading

In Zeiten anhaltend niedriger Zinsen wird gerne nach Anlagemöglichkeiten mit höheren Gewinnchancen gesucht. Hier bietet sich das Forex Trading, bzw. der Handel mit Devisen an: Spekulationen auf fallende oder steigende Währungskurse lassen sich heute elegant über Smartphone-Apps von überall aus durchführen und mitverfolgen. Wo aber liegen hier die Chancen und Risiken für Anfänger?

Forex steht für „Foreign Exchange Market“, also für den Handel mit Fremdwährungen (Devisen). Jedes Mal, wenn ein Geldbetrag von einer Währung in eine andere gewechselt wird, findet ein Forex-Handel statt. Dieser bildet den größten Finanzmarkt der Welt, mit einem Tagesumsatz von rund 5 Billionen US-Dollar. Börsen werden dazu nicht (mehr) benötigt, gehandelt wird direkt zwischen den Marktteilnehmern und das rund um Uhr an Werktagen. Marktteilnehmer sind Banken (auch Zentralbanken), größere Industrieunternehmen, private Devisenhändler und Handelshäuser.

Der Einstieg in diesen Markt gestaltet sich dementsprechend einfach: Der sehr hohe Tagesumsatz macht den Markt liquide, so dass für Transaktionen praktisch immer ein Handelspartner gefunden wird. Darüber hinaus sorgen die flexiblen Handelszeiten dafür, dass man zu jeder beliebigen Tageszeit partizipieren kann, also auch in der persönlichen Freizeit (außer an Wochenenden). Niedrige Gebühren („Spread“) stellen einen weiteren Anreiz dar, ebenso wie die Tatsache, dass das Forex Trading auch mit kleinen Beträgen möglich ist.

Warum das Forex Trading so attraktiv (und riskant) ist

Auf den ersten Blick mag es kurios erscheinen, wie man als Anleger aus den meist geringen Kursschwankungen zwischen einzelnen Währungen einen ordentlichen Gewinn erzielen kann. Ein Beispiel zeigt jedoch, worin der Reiz besteht – und warum das Forex Trading auch mit Risiken behaftet ist.

Ein Anleger spekuliert darauf, dass die Zinsen im Euroraum steigen und gleichzeitig die Zinsen in den USA gleich bleiben. So könnte es zu einer Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar kommen. Wird nun eine Long-Position in EUR/USD eröffnet, bei der die Positionsgröße 200.000 Euro beträgt, liegt die zu hinterlegende Margin bei genau 2.000 Euro. Steigt nun in den folgenden Tagen der Euro in Relation zum US-Dollar nur um wenige Cent an, kann die Position geschlossen bzw. verkauft werden. Nach Abzug von Kosten kann ein Gewinn von über 6.000 Euro realisiert werden – ein Gewinn bezogen auf den Einsatz von 2.000 Euro von mehr als 300% und das in nur wenigen Tagen.

Doch das Beispiel lässt erahnen, dass es auch genau umgekehrt laufen kann: Würde in diesem Beispiel der Euro in Relation zum US-Dollar nicht steigen, sondern zunächst fallen, kann schnell ein Verlust in Höhe von mehreren Tausend Euro auflaufen.

Zudem zeigt das Beispiel, dass die Berechnung von Gewinn und Verlust beim Handel mit Devisen nicht so einfach ist. Der Grund dafür liegt darin, dass hier keine Kassengeschäfte abgewickelt werden, bei denen sofort und direkt etwa Euro in US-Dollar gewechselt werden, sondern Termingeschäfte, bei denen allein auf die Kursentwicklung spekuliert wird und zum Abschluss des Geschäftes nur die angefallenen Gewinne bzw. Verluste ausgeglichen werden. Das Forex Trading für Anfänger macht also nur dann Sinn, wenn dieser Mechanismus richtig verstanden wird.

Im Prinzip kann die Devisenspekulation natürlich auch über Kassengeschäfte laufen. Dafür sind dann aber sehr hohe Einsätze erforderlich, weil Währungsschwankungen im Cent-Bereich nur dann zu nennenswerten Gewinnen führen, wenn sechs- bis siebenstellige Summen eingesetzt werden.

Wichtige Fachbegriffe beim Forex Trading

Von einem Handelspaar spricht man, wenn zwei Währungen gegeneinander gehandelt werden. Handelspaare werden durch einen Schrägstrich angegeben, also in der Relation Euro zu US-Dollar: EUR/USD. Jede der weltweit verfügbaren Währungen kann mit einer anderen ein Handelspaar bilden. Das derzeit wichtigste Handelspaar ist EUR/USD mit einem Anteil von rund 28 % am gesamten Forex-Markt.

Das Wort Pip steht für „Percentage in Point“ oder auch „Price Interest Point“. Es handelt sich dabei um die kleinste Einheit, in der ein Währungskurs berechnet wird. Die meisten Kurse werden in vier Dezimalstellen berechnet. Das bedeutet, dass eine Veränderung im Kurs von 0,0001 einem Pip entspricht.

Beim Spread handelt es sich um den Unterschied im Wert zwischen Bid und Ask, den aktuellen Preisen für den Kauf und Verkauf einer Währung. Devisenhändler bzw. Banken verdienen ihre Marge an den Spreads, weil sie dem Käufer immer den Briefkurs in Rechnung stellen, der höher ausfällt als der Geldkurs, zu dem wieder verkauft werden kann.

Von besonderer Wichtigkeit sind die unterschiedlichen Order-Typen. Diese reichen von der einfachen Market Order, bei der zum gerade aktuellen Kurs sofort gehandelt wird, über die Limit Order, bei der ein ganz bestimmter Kurs anvisiert wird (der nur dann ausgeführt wird, wenn dieser auch erreicht wird), bis hin zur Stop Order oder Stop Loss Order. Erstere wird nur dann ausgeführt, wenn der Markt sich zum eigenen Vorteil bewegt hat, letztere dient dem Abbruch eines Geschäftes, wenn dieses sich zu stark zum eigenen Nachteil entwickelt.

Strategien für das Forex Trading

Wie oben schon im Beispiel angeführt, reflektiert das Forex Trading in hohem Maße finanzwirtschaftliche, aber auch politische Basisdaten. Es geht um Zinsen, Außenhandelsbilanzen und politische Faktoren, wie etwa die vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump gewünschten Zölle auf chinesische und möglicherweise auch auf europäische Rohstoffe bzw. Produkte. Solche Zölle können den Welthandel stark beeinflussen und damit auch Einfluss auf Währungskurse nehmen.

Wer sich hierfür interessiert, kann mit Hilfe der Fundamentalanalyse Strategien für den Handel mit Devisen entwickeln und sein Glück am Markt versuchen. Andere Marktteilnehmer tendieren zur technischen Analyse, bei der die Kursentwicklung aus Trendanalysen zum bisherigen Verlauf von Währungskursen abgeleitet wird.

Jedem Anleger sollte bewusst sein, dass er mit seinen Wetten auf die Zukunft nur ein Akteur unter sehr vielen darstellt, von denen insbesondere institutionelle Marktteilnehmer wie große Banken über sehr viel mehr an Erfahrung, Know-How und vor allem auch Zugang zu relevantem Wissen verfügen.

Zum Einstieg: Apps für das Smartphone

Wer sich näher mit der Materie befassen möchte, kann sich wahlweise aus dem Google Play Store (Android) oder dem App Store von Apple (iOS) eine oder gleich mehrere Apps herunterladen. Die Auswahl ist erstaunlich groß. Alternativ kann natürlich auch am PC gehandelt werden, sei es im Browser oder nach dem Laden und Installieren entsprechender Handels-Software. Auf alle Fälle sollte man zuerst einmal mit einem Demo-Konto üben, bevor das eigene Geld eingesetzt wird. Denn auf Anfänger warten im Forex Trading nicht nur interessante Chancen, sondern eben auch hohe Risiken!