Arbeit 4.0: Wie sieht der optimale Arbeitsplatz in Zukunft aus?

Arbeitsplatz der Zukunft

Wir Deutschen verstehen es meisterhaft, zu wichtigen Themen medienwirksam Schlagwörter zu bilden und dazu Studien, White Papers und Pressemeldungen zu verfassen. Doch was macht die Praxis konkret? Wie etwa wird der Arbeitsplatz der Zukunft tatsächlich aussehen? Wird er sich nennenswert von heutigen Arbeitsumgebungen unterscheiden?

Bei der Deutschen Bank sollen in den nächsten Jahren Tausende von Arbeitsplätzen abgebaut werden, kündigte der Vorstandsvorsitzende John Cryan auf einer Tagung im September 2017 an. Seine Begründung: Viele Beschäftigte der Bank würden wie Roboter arbeiten, also könnten sie auch durch solche ersetzt werden. Eine nennenswerte Debatte wurde durch diese Ankündigung jedoch nicht ausgelöst, zu häufig liest man inzwischen ähnliche Schlagzeilen auch aus anderen Branchen.

In unserer Arbeitswelt ist ein bemerkenswerter Wandel im Gang, der einerseits viel Unsicherheit, andererseits aber auch eine Flut an Veröffentlichungen unter Schlagworten wie „Arbeit 4.0“, „New Work“ oder „digitalisierte Arbeitswelt“ hervorbringt. Zugleich zeigt sich eine bemerkenswerte Diskrepanz in der Wahrnehmung der Entwicklung: Während etwa im Mittelstand der Nutzen moderner IT und dem vernetzten Arbeiten vielfach noch Skepsis entgegenschlägt, sind große Unternehmen wie die Deutsche Bank längst weiter: Hier werden bereits alle Prozesse automatisiert, die sich automatisieren lassen.

Wie weit hier der Mittelstand hinterher hängt, hat die KfW in einer Studie ermittelt. Demnach befinden sich ein Drittel aller mittelständischen Betriebe noch im Grundstadium der Digitalisierung. Als Haupthindernis werden die mangelnde IT-Kompetenz von Mitarbeitern, Unsicherheit in Bezug auf Datenschutz und -sicherheit sowie zu langsame Internetverbindungen angeführt.

Was aber macht den Arbeitsplatz der Zukunft tatsächlich aus? Müssen sich Hersteller und Händler für Betriebs- Lager- und Büroausstattung Sorgen machen? Bei KAISER+KRAFT (Stuttgart), einem der größten Versandhändler auf diesem Gebiet, gibt man sich sehr gelassen: Das Unternehmen sieht sich mit seinem Sortiment auf der Höhe der Zeit und bietet darüber hinaus auf der digitalen Ebene alles, was ein Mittelständler aktuell überhaupt nur tun kann. Angefangen bei Apps (iOS und Android) über den Online-Shop bis hin zum elektronischen Datenaustausch für Großkunden ist alles vorhanden, was einen „digitalen Vorreiter“ im Sinne der KfW auszeichnet.

Das Beispiel aus dem Versandhandel zeigt, dass in Zukunft nahezu alle Arbeitsplätze hochgradig vernetzt sein werden. Ohne Anschluss ans Internet wird es nur noch in wenigen Nischen gehen, nicht zuletzt weil das Marketing auch sehr kleiner Unternehmen immer mehr online stattfinden wird. Bei Google gefunden werden, auf sozialen Netzwerken ansprechbar sein und Terminvereinbarungen per Chat ermöglichen sind im Prinzip nur noch das kleine Einmaleins.

Ferner wird der Arbeitsplatz der Zukunft räumlich sehr viel flexibler werden: Home-Office-Möglichkeiten sind dafür nur ein Beispiel, mobile Technologien (Smartphones, Tablets) sowie flexible Bürokonzepte, die sich an Projektarbeiten orientieren, gehören ebenfalls dazu. Im weitesten Sinn fällt darunter auch der Aspekt der Kooperation mit externen (Projekt-) Partnern, beispielsweise Freelancern („Digitalnomaden“). Allerdings stehen speziell in Deutschland dem Subcontracting oder der Arbeitnehmerüberlassung noch gravierende rechtliche Hürden gegenüber: Das Arbeitsrecht ist auf vielen Gebieten noch gar nicht an die neuen Verhältnisse angepasst und geht stur weiter vom klassischen Betriebsmodell des 19. und 20. Jahrhunderts aus.

Ein dritter, wichtiger Aspekt stellen durchgehend digitalisierte Arbeitsprozesse ohne Medienbrüche dar. Dazu gehören insbesondere auch die Schnittstellen zu Lieferanten und Kunden, so dass durchgehende Lieferketten darstellbar werden. Dabei können im Einzelfall Arbeitsplätze der Rationalisierung zum Opfer fallen und durch Roboter ersetzt werden, wie das John Cryan für die Deutsche Bank in Aussicht gestellt hat. Dem muss aber nicht so sein. Zudem werden solchermaßen optisch digitalisierte und durchgehend vernetzte Arbeitsplätze optisch kaum anders aussehen, wie heute schon moderne Büros. Entscheidend ist die Technik, nicht die Farbe der Haftnotizen.

Schließlich muss hier noch die kulturelle Ebene erwähnt werden. Der Arbeitsplatz der Zukunft ist nicht denkbar ohne einen Wandel in der Unternehmenskultur: Flachere Hierarchien, Führung auf Augenhöhe und mehr Entscheidungskompetenz an der Basis werden die Folge sein. Unternehmensberatungen wie Kienbaum bringen hier sogar das Stichwort „Demokratisierung“ ins Spiel. Weit hergeholt ist das nicht: Unternehmensinterne soziale Netzwerke bzw. moderne Intranets sind auf Dialog, Transparenz und eine schnelle Kommunikation ausgelegt. Starre Hierarchien und schwerfällige Entscheidungswege lassen sich damit nur noch schwer aufrechterhalten.

Arbeit 4.0 als Teil der vierten industriellen Revolution ist also eine an der Oberfläche kaum sichtbare Veränderung, die aber sehr umfassend und tiefgreifend ausfallen wird. Der Arbeitsplatz der Zukunft wird damit vielfach nicht sehr viel anders aussehen als heute, dahinter aber stehen völlig neue Strukturen, Prozesse und Kompetenzen. Im Mittelstand sollte man sich dessen bewusst sein und rasch handeln, um nicht den Anschluss an die Entwicklung zu verlieren.

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