Wie Influencer den Einzelhandel in Bedrängnis bringen

Influencer und Einzelhandel

Stellen Influencer eine Bedrohung für den klassischen Einzelhandel dar? Das scheint eine sehr weit her geholte These zu sein. Tatsächlich ist aber mehr dran als vielen inhabergeführten Betrieben recht sein kann: Das Influencer Marketing verändert die Werbung und mit ihr die Art wie Konsumenten heute einkaufen.

Der klassische Einzelhandel durchlebt derzeit nicht gerade eine Blütephase. Verantwortlich dafür ist aber nicht allein nur der immer beliebter werdende E-Commerce, sondern auch eine andere Facette der Digitalisierung. In ihrem Mittelpunkt stehen Influencer im Sinne von Personen mit hoher Reichweite auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram oder auch YouTube.

Lange Zeit waren diese „Promis“ nicht viel mehr als ein belächeltes Kuriosum. Inzwischen aber zeigt sich immer deutlicher, welche Wirkung von ihnen ausgehen kann, wenn sie Werbung für Produkte bzw. Dienstleistungen machen. Durch die hohe (emotionale) Bindung zwischen Influencern und ihren Fans hat diese Werbung in vielen Fällen auch eine entsprechend starke Wirkung. Von Influencern empfohlene Produkte verkaufen sich sehr gut. Wo aber liegt hier das Problem für den Einzelhandel?

Das Problem besteht schlicht darin, dass es für die Konsumenten in den meisten Fällen einfacher ist, die empfohlenen Produkte online aufzurufen und auch zu bestellen. Das können Hersteller mit eigenen Online-Shops gezielt nutzen, um ihren Umsatz zu mehren. Die über Influencer beworbenen Produkte müssen dazu nur vorrätig sein.

Der stationäre Handel hat demgegenüber das Nachsehen. Denn die einzelnen Händler können gar nicht wissen, welche Produkte zu welchem Zeitpunkt gerade von einem oder mehreren Influencern beworben werden. In der Folge sind bestimmte Artikel gar nicht vorrätig oder liegen nur in einer sehr geringen und schnell ausverkauften Stückzahl vor. Machen Konsumenten nun die Erfahrung, dass ihr Wunschartikel stationär nicht zu bekommen ist, online (beim Hersteller) aber ohne Probleme bestellt werden kann, werden sie ihr Einkaufsverhalten daran anpassen.

Auf diese Weise untergraben Influencer langsam aber stetig die traditionelle Bindung zwischen dem stationären Handel und seinen Kunden. Sie weisen im Grunde genommen den Weg zu immer mehr E-Commerce, nicht zuletzt weil sie als Werbepartner ideal für kleinere Hersteller-Unternehmen bzw. Marken-Newcomer sind: Wer im stationären Handel nur eine schlechte (oder gar keine) Präsenz hat, kann dies über die Reichweite von Influencern in Kombination mit dem eigenen Online-Shop heute sehr gut ausgleichen.

Der traditionelle Handel wirkt demgegenüber unter Umständen schnell als rückständig und aus der Zeit gefallen. Er muss sich deshalb etwas einfallen lassen, um nicht seine Attraktivität schleichend zu verlieren und in die Rolle eines Lückenfüllers zu rutschen. Mehr digitale Präsenz und neue Ideen für das Marketing sind hier gefragt!