Der langsame Rollenwandel in klassischen Männerbranchen

Luftfahrt

In vielen Branchen prägen bis heute Rollenklischees das Bild: Es gibt die typischen Frauen- und Männerberufe, daneben vielfach auch eine starke Männerdominanz in den leitenden Positionen. Doch der demografische Wandel zwingt zu mehr Pragmatismus, gutes Marketing könnte den Wandel beschleunigen helfen.

In der Luftfahrt waren die Berufsbilder stets besonders klar nach Geschlecht verteilt: Männer arbeiten als Piloten, Frauen kümmern sich als Stewardessen um das Wohl der Fluggäste. Auch bei den Arbeiten am Boden, neudeutsch „Ground Handling“ genannt, gab es eine ähnliche Rollenverteilung mit Männern in den eher technischen Bereichen wie Sicherheit und Gepäckabwicklung, während Frauen beim Check-In und in anderen Service-Bereichen anzutreffen waren.

Doch die Zeiten ändern sich, nicht nur in der Luftfahrt: In klassischen Männerberufen wie dem Ingenieurwesen oder der Informatik werden heute händeringend weibliche Nachwuchskräfte gesucht. Dabei ist es nicht der pure Idealismus, der Unternehmen und Hochschulen kreativ werden lässt – es fehlt schlicht an männlichen Bewerbern, Frauen sollen deshalb die immer größer werdende Lücke füllen.

Andernorts wird die Politik aktiv: So hat die Bundesregierung mit dem „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen“, das seit Januar 2016 in Kraft ist, immerhin dafür gesorgt, dass in den Aufsichtsräten der DAX-Konzerne der Frauenanteil deutlich gestiegen ist. Doch stellt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (Berlin) lapidar fest, dass in den Vorständen dieser Konzerne sich wenig geändert habe, weil dort die gesetzliche Quote nicht gilt. Der Frauenanteil stagniert dort bei rund 10 %.

In der Wirtschaft sind es vor allem einzelne Unternehmen, die in Eigeninitiative tätig werden und gezielt um Frauen auch für klassische Männerberufe werben. Luftfahrtdienstleister wie AviationPower (Hamburg) bemühen sich etwa, Klischeevorstellungen abzubauen und den Bewerberinnen eine sehr viel breitere Palette an Berufsbildern, auch zum Quereinstieg, nahe zu legen.

Branchen wie der Maschinenbau versuchen mit „Girls Days“ die Schwellenangst abzubauen und den sehr jungen Frauen im Alter von 12 bis 15 technische Berufe als Perspektive nahe zu legen. Daran beteiligt sich etwa auch der schwäbische Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf (Ditzingen), der zu seinem „Mädchen Zukunftstag“ im April 2017 stolze 6 Plätze (bei einer Gesamtbelegschaft von rund 11.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 2,8 Mrd. Euro) anbietet. Außenstehenden stellt sich hier vielleicht die Frage, wo die Schwellenangst größer ist: Bei den Mädchen oder beim Unternehmen?

Vielleicht liegt es ja auch am Standort Baden-Württemberg. Das Bundesland im Südwesten stellt in Deutschland den Landtag mit der geringsten Frauenquote: Seit der Wahl 2016 liegt diese bei rund 25 %, während in Thüringen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland Quoten von knapp 40 % erreicht werden. Auch hier bleibt noch viel zu tun, wobei von der grün-schwarzen Landesregierung unter Winfried Kretschmann in Sachen Frauenförderung nicht viel zu erwarten ist.

Schlecht sieht es auch in der deutschen Startup-Szene aus: Nur sehr wenige Frauen gründen ein Tech-Startup-Unternehmen bzw. übernehmen darin eine Führungsrolle. Dass es im Silicon Valley auch nicht besser aussieht und Frauen dort stellenweise immer noch unter dem Sexismus und Chauvinismus ihrer männlichen Kollegen zu leiden haben, macht die Sache nicht besser. Immerhin sind Frauen aus diesem Bereich gut vernetzt. Ihnen hilft das in Berlin gegründete „Social Business Startup“ Geekettes, das Veranstaltungen und Treffen u. a. in Hamburg, Berlin und München anbietet.

Was kann in dieser Situation das Marketing bewirken? Initiativen wie Girls Days sind eine sehr gute Sache. Doch das eigentliche Problem liegt gar nicht auf der Ebene des Marketing, sondern vielmehr in den nach wie vor sehr festgefahrenen Vorstellungen davon, welche Rollen Frauen heute übernehmen sollten. Zudem fehlt es vielfach noch an geeigneten Bewerberinnen: Dabei sollte speziell die Politik nicht so sehr auf den Bereich der Führungspositionen schauen, sondern auf die Basis. Ein nachhaltiger Rollenwandel tritt nur ein, wenn bei den Ausbildungs- und Studienplätzen stärker darauf geachtet wird, dass vermehrt junge Frauen in technischen Berufsbildern zum Zuge kommen.