Jobeinstieg und Karriere: Kann man online den idealen Arbeitgeber finden?

Beruf, Karriere, Jobeinstieg

Wer heute ins Berufsleben einsteigt oder sich beruflich verändern möchte, hat oft sehr viele Möglichkeiten. Wie aber findet man den idealen Arbeitgeber? Stellenanzeigen sagen oft nicht sehr viel aus, doch online lassen sich über viele Unternehmen weitere, interessante Informationen ermitteln.

Berufseinsteiger und Menschen, die sich beruflich verändern wollen, finden im Web durchaus eine Menge Möglichkeiten, wie sie sich über einen potenziellen Arbeitgeber informieren können. Man muss nur wissen, wo es sich zu suchen lohnt und muss man an manchen Stellen auch „zwischen den Zeilen“ lesen können.

Den Auftakt für die Stellensuche bildet in der Regel der Besuch auf einem Jobportal. Darin lassen sich Anzeigen nach verschiedenen Kriterien filtern, so dass man relativ schnell einen guten Überblick über die aktuellen Angebote bekommt. Leider sind viele Stellenanzeigen nur bedingt aussagekräftig: Sie fokussieren sich in der Regel auf die zu besetzende Stelle und bieten darüber hinaus nur ein paar grundlegende Informationen über das Unternehmen selbst. Das kann man bedauern, doch Stellenanzeigen sind eben ein kompaktes Format mit wenig Raum für ausführliche Darstellungen.

Deshalb empfiehlt es sich, die Website möglicher Wunscharbeitgeber aufzurufen. Hier kann schon der erste Eindruck interessant sein:

  • Ist die Website modern und ansprechend gestaltet?
  • Finden sich Abbildungen von (tatsächlichen) Mitarbeitern und dem Firmengebäude?
  • Wie übersichtlich ist die Website gehalten?
  • Gibt es spezielle Unterseiten zum Thema „Karriere“?

Bei sehr großen und bekannten Unternehmen hilft der erste Eindruck meist wenig, weil die Darstellung im Web in der Regel nahezu perfekt gestaltet ist. Bei mittelgroßen und kleineren Unternehmen ist das jedoch ganz anders, so dass hier durchaus interessante Einblicke möglich sind. Hier kann man sich ruhig ein Stück weit auch vom Gefühl leiten lassen: Welche Informationen werden vermisst? Was hätte man an dieser Stelle vom Traumarbeitgeber erwartet?

Neben der Website kann auch ein Blick in spezielle Bewertungsportale hilfreich sein: Angebote wie Kununu, meinchef.de, oder jobvote.com bieten bisweilen interessante Einblicke in Unternehmen – und müssen in anderen Fällen leider passen, weil es keine oder keine aussagekräftigen Bewertungen gibt. Bewertungen sind immer mit Vorsicht zu genießen, das weiß jeder, der von Zeit zu Zeit Rezensionen auf Amazon liest: Häufig stellen sie eine nützliche Entscheidungshilfe dar, insbesondere wenn ein Produkt oft bewertet wurde. Wenn ein Produkt aber nur sehr wenige Bewertungen aufweisen kann, wird es schon schwieriger. Genau so verhält es sich auch bei den Bewertungsportalen für Arbeitgeber. Zudem muss hier berücksichtigt werden, dass einzelne Bewertungen nicht unbedingt das Arbeitsgebiet betreffen, für das man sich bewerben möchte. Gut möglich ist auch, dass einzelne Bewertungen schon mehrere Jahre alt sind.

Weitere Einblicke bieten Social Media. Viele Unternehmen führen Seiten auf Facebook, einen Account auf Twitter und haben vielleicht auch ein paar Videos auf YouTube eingestellt. Diese Aktivitäten bieten oftmals interessante Einblicke in ein Unternehmen, speziell zur Frage, wie man gegenüber der Öffentlichkeit und den eigenen Kunden auftritt:

  • Mit welcher Frequenz werden diese Kanäle bedient? Regelmäßig oder nur sporadisch?
  • Wie offen gibt man sich hier mit Informationen und Einblicken ins Unternehmen?
  • Sind die Darstellungen eher textlastig oder wird viel mit Fotos bzw. Videos gearbeitet?
  • Bleibt das Unternehmen eher unpersönlich oder zeigen sich Mitarbeiter offen und mit Namen?
  • Wird speziell Bewerbern der Kontakt über Social Media ermöglicht?

Social Media bilden eine Art ständigen Dialog mit der Öffentlichkeit. Hier lässt sich ablesen, auf welche Resonanz die angebotenen Inhalte stoßen, wie mit Kritik umgegangen wird (sofern vorhanden) und wie „natürlich“ man sich gibt. Daraus lassen sich gewisse Rückschlüsse auf die Unternehmenskultur ziehen. Fortschrittliche Unternehmen bieten potenziellen Bewerbern die Möglichkeit einer ersten (niedrigschwelligen) Kontaktaufnahme über Social Media, bei der grundsätzlich geklärt werden kann, ob eine Bewerbung Sinn macht.

Eine weitere interessante Informationsquelle im Web bilden natürlich Suchmaschinen wie Google. Sie zeigen, wer außer dem jeweiligen Unternehmen selbst noch darüber zu berichten hat, speziell etwa Nachrichten-Medien oder es finden sich Diskussionsbeiträge aus Foren. Allerdings gibt es hier ein ziemliches Ungleichgewicht: Während über die großen und bekannten Unternehmen praktisch laufend in den Medien berichtet wird, sind Informationen über Mittelständler und kleinere Unternehmen eher selten – oder sie stecken hinter der Paywall einer Lokalzeitung. Bevor man sich bewirbt, sollte man das Unternehmen aber auf jeden Fall in einer Suchmaschine aufrufen und dabei nicht nur die erste Seite der Suchtreffer überfliegen. Es kann sich lohnen.

Am Ende sollte ein Bewerber nochmals zur Website des Unternehmens zurückkehren und dort speziell den Themenbereich „Karriere“ genauer ansehen: Werden dort nur die aktuellen Stellenausschreibungen aufgeführt, oder gibt es weiterführende Informationen wie etwa zu Sozialleistungen, Weiterbildungsmöglichkeiten oder den Aufstiegschancen? Darüber hinaus kann auch das verwendete Bildmaterial kurz analysiert werden: Zeigen die verwendeten Fotos tatsächlich Mitarbeiter(innen) des Unternehmens oder wird hier auf Material aus beliebigen Fotodatenbanken zurückgegriffen?

Online lässt sich also eine Menge in Erfahrung bringen und das mit sehr wenig Aufwand. Man muss sich nur mal etwas Zeit nehmen. Für Unternehmen, die auf der Suche nach guten Mitarbeitern sind, gilt das Gleiche: Sie sollten mal unvoreingenommen überprüfen, welchen Eindruck sie von sich selbst im Web vermitteln.

Alternativ kann man es auch wie der Journalist Martin Giesler machen: Er sucht nicht, sondern möchte gefunden werden. Dazu hat er einen sehr originellen Artikel publiziert, der mit der Aussage endet, dass er ab 2017 eine neue berufliche Herausforderung sucht.