Hilfe für den stationären Handel: Die Produktsuchmaschine Locafox

Locafox Produktsuchmaschine

Dem stationären Einzelhandel geht es seit Jahren nicht gut, das ist kein Geheimnis. In Zeiten, in denen die Verbraucher immer häufiger online einkaufen, muss der Handel deshalb kreativ werden. Das Startup Locafox könnte dabei helfen: Es bietet eine lokal orientierte Produktsuchmaschine, mit der die Kunden wieder den Weg zum Einzelhandel vor Ort finden könnten.

Die Idee hinter Locafox ist wirklich gut: Wer online nach einem bestimmten Produkt oder einer Produktkategorie sucht, bekommt in den gängigen Suchmaschinen wie Google praktisch nur Angebote von Online-Händlern angezeigt. Was fehlt, sind die Einträge für lokal vorrätige Angebote, die man sich direkt im Laden anschauen und kaufen kann.

Diese Lücke schließt Locafox, weil hier die Produktsuche immer mit einem Ort kombiniert wird. Das kann der der aktuelle Standort zum Zeitpunkt der Suche sein, man kann aber auch gezielt Städte oder Stadtteile (nach Postleitzahl) vorgeben. Locafox zeigt also nur Angebote des lokalen Einzelhandels, Online-Händler bleiben außen vor.

Locafox kann aber noch mehr. Die Produktsuchmaschine aus Berlin bietet auch Informationen zum Preis und zur Verfügbarkeit von Waren, so dass ein Vergleich unter verschiedenen Händlern bzw. eine Vorbestellung möglich wird. Im Einzelfall kann man sich die gewünschte Ware auch gleich nach Hause liefern lassen. Oder man kann über die eingebaute Routenplanung sich den genauen Weg zum gewünschten Händler anzeigen lassen.

Als Unternehmen wurde Locafox 2013 gegründet, mit finanzieller Unterstützung von Holtzbrinck Ventures. Die Vision der Gründer ist es, das „Amazon für den stationären Einzelhandel“ zu werden. Für den Handel in Deutschland kommt dieser Ansatz eigentlich wie gerufen. Denn im Wettbewerb mit großen Online-Händlern wie Amazon oder Zalando verlieren die stationären Händler langsam aber sicher Marktanteile und müssen sich etwas einfallen lassen.

Dem Handel vor Ort fehlt es insbesondere an Kompetenz in Bezug auf die digitalen Medien: Websites sind oft schlecht gemacht (oder schlecht gepflegt), Online-Shops kümmern vor sich hin und in Sachen Social Media darf man als Kunde auch nicht viel erwarten. Nur die großen Ketten bzw. Filialisten sind hier gut aufgestellt, weil sie genügend Ressourcen und Zeit dafür aufbringen.

So betrachtet könnte Locafox zum Rettungsanker für das Geschäft der kleineren Einzelhändler werden. Allerdings gibt es dieses Versprechen nicht ganz umsonst: Um gelistet werden zu können, muss ein Händler sein Warenwirtschaftssystem mit Locafox verbinden. Und er muss akzeptieren, dass er in Sachen Preise vergleichbar wird.

Doch schon bei der Frage des Warenwirtschaftssystems dürfte sich herausstellen, dass viele der kleinen inhabergeführten Betriebe nicht so ohne Weiteres anschlussfähig sind. Sei es dass ihre Software für Warenwirtschaft veraltet ist oder dass diese noch vom Kassensystem getrennt geführt wird, was eine Bestandsverwaltung in Echtzeit schwierig macht. Viele Einzelhändler müssten also erst einmal in ihre eigene EDV investieren, bevor sie einen Dienst wie Locafox umfassend bedienen und in der Folge von ihm profitieren können.

Deshalb sollte Locafox den Schulterschluss mit Verbänden und Software-Herstellern suchen, um Lösungswege für die kleinen Betriebe aufzeigen zu können. Denn hier geht es um mehr als nur eine Produktsuchmaschine: Verpassen die kleinen Betriebe hier schon den Anschluss, werden sie in Zukunft auch bei anderen Lösungen nicht partizipieren können. Da dürfte es dann auch kein Trost sein, wenn Trend-Experten dem stationären Handel noch eine Schonfrist zusprechen:

„Die meisten stationären Händler können ihre Geschäfte noch jahrelang fortführen. Zwar mit ständig sinkenden Umsätzen, aber immerhin! So lange es noch geht!“

Locafox hat mit seiner Produktsuchmaschine einen guten Ansatz vorgelegt, damit genau dieses Horror-Szenario nicht zur Realität wird. Beim Einzelhandel sollte man das als Chance erkennen und jetzt handeln.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Netz-Fundstücke 05/14 IHK Onlinemarketing | IHK Onlinemarketing

  2. Eigentlich eine gute Sache, damit wird die physische Welt mit der digitalen Welt weiter verbunden. Als problematisch sehe ich jedoch die Anbindung des WWS and Locafox. Die Intransparenz bei den Preisen wird ja gerade im stationären Handel ausgenutzt, um doch den ein oder anderen Euro mehr verlangen zu können.