Die Kritik an Facebook wächst und Derek Muller spricht Klartext

Facebook

Facebook hat ein strukturelles Problem und Derek Muller legt es in seinem Video „The Problem With Facebook“ anschaulich dar. Innerhalb von nur wenigen Tagen hat sein Video auf YouTube mehr als 550.000 Aufrufe erzielt. Die Resonanz darauf zeigt, dass er mit seiner Kritik an Facebook genau ins Schwarze getroffen hat.

Ganz offensichtlich hat sich Derek Muller zuletzt ziemlich über Facebook geärgert. Der junge Mann kann vielleicht als Australiens Ranga Yogeshwar (in etwas jüngerer Ausführung) bezeichnet werden, denn er ist Physiker, Moderator einer Fernsehsendung und betreibt zudem einen erfolgreichen Kanal auf YouTube zu wissenschaftlichen Fragen, den er über diverse Social Media-Plattformen geschickt vermarktet.

Der Anlass für seinen Ärger liegt in der zuletzt stetig sinkenden Reichweite seiner Beiträge auf Facebook, wie er im Video erklärt. Wollte er seine Reichweite auch nur konstant halten, müsste er dafür Werbung machen und bezahlen. Das findet Derek Muller absurd, denn im Vergleich dazu kann er mit seinen Videos auf YouTube sogar Geld verdienen: Je größer die Reichweite seiner Videos dort wird, desto mehr verdient er, weil er am Werbeumsatz, den Google mit seinen Videos macht, prozentual beteiligt wird.

Während er also auf YouTube für eine steigende Reichweite seiner Beiträge finanziell belohnt wird, soll er auf Facebook für die gleiche Wirkung bezahlen. Das ist tatsächlich eine Paradoxie, die Derek Muller offen und unverblümt ausspricht. Er bezeichnet Facebooks Vorgehensweise als „crazy and desperate“.

Richtig ist auch seine Beobachtung, dass Facebook einen alten Grundsatz des Social Web zunehmend aushebelt, wonach die Mitglieder einer Plattform dort das mitgeteilt bekommen, was ihre Freunde teilen und was die Freunde von Freunden gut finden (Netzwerkeffekt). Bei Facebook ist das tendenziell immer weniger der Fall, weil zunehmend der bezahlte (Werbe-) Content in den Vordergrund gerückt wird. Der Newsfeed von Facebook spiegelt zunehmend die kommerziellen Interessen der Plattform wider – und weniger die kommunikativen Interessen der Nutzer.

Das Video von Derek Muller dürfte bei Facebook wenig Freude ausgelöst haben, nachdem man dort erst kürzlich zugeben musste, dass das soziale Netzwerk in der Gunst von Jugendlichen sichtbar gesunken ist. Dabei steht Anfang Februar der 10. Geburtstag der Plattform auf der Agenda, ein Anlass der sicher noch gefeiert werden wird und der möglichst nicht von kritischen Tönen begleitet werden sollte.

Freuen darf man sich dagegen bei Google bzw. YouTube, stellt Derek Muller Kritik an Facebook doch die perfekte Werbung für die Konkurrenz dar. Wäre Muller im Video fair gewesen, hätte er eigentlich nicht verschweigen dürften, dass bei YouTube auch längst ein Algorithmus damit begonnen hat, Inhalte auszusortieren: Auch auf YouTube ist inzwischen nicht mehr gewährleistet, dass ein registrierter Nutzer in seinem Feed wirklich sämtliche Videos aller von ihm abonnierten Kanäle zu sehen bekommt.

Das zeigt, dass alle großen Plattformen im Social Web aufgrund der Überfülle an Inhalten früher oder später an das Problem kommen, ihre Mitglieder bzw. Nutzer bei Laune zu halten. Die algorithmisch gesteuerte Reduzierung der Informationsmenge mag eine Lösung sein. Denkbar wären aber auch andere Ansätze, bei denen etwa die Nutzer selbst von Zeit zu Zeit auswählen dürfen, was sie alles angezeigt bekommen möchten.

Facebook etwa könnte leicht für jedes Profil als Zahl anzeigen, wie viele Beiträge der Newsfeed pro Tag tatsächlich enthalten würde, wenn nicht gefiltert wird. Das aber traut sich Mark Zuckerberg offenbar nicht: Vielleicht wäre es ihm ja peinlich zuzugeben, wie stark die Nutzer auf Facebook seit Jahren schon manipuliert werden?

Interessant im Video ist schließlich noch Derek Mullers Prognose zu Facebook, die er ganz an den Schluss, noch hinter den Abspann, gestellt hat. Er glaubt, dass Facebook keinen nennenswerten Spielraum mehr für Wachstum bei den Werbeerlösen hat, weil die Plattform auf allen wichtigen Märkten bereits stark vertreten ist und die Nutzer nicht bereit sein werden, mehr als eine halbe Stunde pro Tag damit zu verbringen.

Video-Plattformen wie YouTube dagegen haben seiner Meinung nach noch viel Spielraum nach oben, weil sie heute erst ca. zwei Stunden pro Woche genutzt werden und deshalb dem klassischen Fernsehen noch jede Menge Marktanteile werden abnehmen können.

Hier das sehr sehenswerte Video. Auch wenn es in englischer Sprache (mit Untertiteln) gehalten ist, kann man den Inhalt leicht verstehen:

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Eigentlich alles richtig erfasst und erläutert. Hoffentlich liest das auch jemand von den „facebook-Erfindern“!
    Was eigentlich einmal interessant begann, nippelt hoffentlich nicht irgendwann ganz ab!

  2. @Andreas Herzog: Die Facebook-Erfinder werden mein Blog vermutlich nicht lesen. Aber vielleicht Startup-Gründer in Deutschland? Gegen Facebook wird zwar nicht leicht anzukommen sein, doch die Schwächen der Großen sind die Chancen der Kleinen…