Social Media für Unternehmen: „Das“ Praxisbuch für KMU? Eine Rezension

Social Media für Unternehmen Galileo Computing

Stefanie Aßmann und Stephan Röbbeln haben mit „Social Media für Unternehmen“ ein Buch vorgelegt, das sich als Praxisbuch für KMU (kleine und mittlere Unternehmen) empfiehlt. Können Sie diesem Anspruch gerecht werden?

Zunächst einmal kann ohne Umschweife festgestellt werden, dass die beiden Autoren eines der derzeit besten Bücher zum Thema Social Media geschrieben haben: Es deckt alle wichtigen Entscheidungsfelder ab und kann zudem mit einer Fülle aktueller Beispiele aufwarten. Farbige Abbildungen lockern den Text auf, entscheidungsrelevante Punkte sind nicht im Fließtext versteckt, sondern in Form von Grafiken bzw. Info-Boxen dargestellt. Im Ergebnis nimmt man das Buch immer wieder gern zur Hand.

Social Media für Unternehmen macht darüber hinaus deutlich, wie stark sich das Themenfeld inzwischen weiterentwickelt hat. Nicht mehr einzelne Plattformen und ihre Funktionen stehen im Mittelpunkt dieses Buches, sondern die Kommunikation mittels Social Media an sich. Der Leser wird dabei von vorbereitenden Tätigkeiten über die Analyse und die Konzeption bis hin zur Durchführung und dem Monitoring geführt. Weitere Kapitel widmen sich speziellen Aspekten wie der Brand Awareness oder dem Employer Branding.

Diese Auflistung macht aber auch schon die in meinen Augen einzige Schwäche dieses Buches deutlich: Sein Klappentext empfiehlt es als „das Praxisbuch für KMU“ (kleinere und mittlere Unternehmen). Laut EU-Definition (wie in dieser Broschüre in Pfd-Form umfangreich beschreiben) sind damit Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern bzw. weniger als 50 Mio. Euro Jahresumsatz gemeint.

Bei Unternehmen dieser Größenordnung ist Social Media jedoch häufig nur noch eine Randaktivität, für die wenig Zeit und Ressourcen vorhanden sind, insbesondere je kleiner die Unternehmen tatsächlich sind. Da wird in der Praxis dann schon mal improvisiert, so dass die Empfehlungen des Buches zu einer stringenten und durchgeplanten Vorgehensweise in vielen Fällen nicht realisierbar sind.

Auch die zahlreichen Beispiele im Buch werden speziell kleinen Unternehmen nicht helfen: So anschaulich es sein mag, zu sehen was die Lufthansa, Zalando oder Yello Strom mit Erfolg umgesetzt haben, kleine Unternehmen kann das auch entmutigen. Es wäre deshalb vielleicht besser gewesen, das Buch konsequent in Richtung mittelständischer Unternehmen zu positionieren. Denn diese haben die Mittel und auch die Manpower, um den Praxisbeispielen großer Vorbilder zumindest teilweise zu folgen oder diese für sich als Benchmark einzusetzen. Den beiden Autoren sehe ich das jedoch gerne nach, denn vermutlich wollte der Verlag mit einer möglichst breit orientierten Beschreibung die Zielgruppe für das Buch möglichst groß halten.

Im Ergebnis stellt das Buch „Social Media für Unternehmen“ eine sehr empfehlenswerte Lektüre für Praktiker in größeren und vor allem mittelständischen Unternehmen dar, die eine aktuelle und breit angelegte Darstellung zur praktischen Vorgehensweise suchen. Selbst sehr versierten Praktikern mag das Buch helfen, weil es als Fundgrube mit positiven Beispielen aus den verschiedensten Branchen aufwarten kann.