Paradigmenwechsel beim Enterprise-Sharing? Überlegungen zu Box.net

Ich muss zugeben, dass ich von Box.net erst in diesen Tagen erfahren habe. Das Startup, das 2006 gegründet wurde und seinen Sitz in Palo Alto (Kalifornien) hat, macht derzeit mit einer neuer Version seiner Collaboration-Software von sich reden, die angeblich bereits von 5 Millionen Usern genutzt wird (sagt Aaron Levie, der Gründer).

Auf den ersten Blick ist Box.net nur ein cloud-basiertes Tool für das Sharing von Dokumenten. Damit steht das Startup im Wettbewerb mit beispielsweise Microsoft Sharepoint (am oberen Ende der Skala) sowie Tools wie Dropbox (eher für den persönlichen Gebrauch). Für kleinere, lose zusammen arbeitende Teams scheint es aufgrund seiner Preisstruktur eher ungeeignet zu sein, denn Box.net kann nicht gerade als billig bezeichnet werden.

Neu ist jetzt ein Feature, das man sich bei Google Wave abgeschaut hat: Dokumente, die neu hochgeladen werden, werden als solche bei allen Usern, die darauf Zugriff haben sollen, sofort sichtbar. Das „Realtime-Web“ lässt grüßen.

Interessanter scheint mir aber etwas anderes zu sein: Box.net nähert sich dem Thema „Collaboration“ von einer anderen Seite, als dies die klassische Collaboration-Software (wie etwa Wikis) tut: Deren Grundidee ist es, Inhalte gemeinsam zu erstellen und zu bearbeiten und dafür eine neue Art von Software zu nutzen. Man geht dabei immer von einer anfangs leeren Hülle aus, die nach und nach mit überwiegend neu erstellten Inhalten gefüllt wird.

Die Realität in den meisten Unternehmen ist jedoch eine völlig andere: Es gibt bereits tonnenweise Material in Form von Dateien, das man besser zugänglich machen könnte, damit sie im Wege der Zusammenarbeit intensiver genutzt werden. Hier genau setzt Box.net an, das mit seiner Software berücksichtigt, dass es für den Zugriff auf ein Dokument unterschiedliche Benutzerrechte geben muss: Nicht jeder soll alles einsehen oder gar bearbeiten können. Vertrauliche Dokumente lassen sich in kleinem Kreis teilen, andere unternehmensweit und wieder andere auch mit externen Projekt-Partnern.

Zeigt sich hier ein pragmatischerer Ansatz für Collaboration bzw. Enterprise 2.0, der mehr von den bestehenden Verhältnissen ausgeht und berücksichtigt, dass die Zusammenarbeit an Konzepten und Projekten oft nicht ganz so intensiv sein muss, wie dies von der herkömmlichen Collaboration-Software intendiert wird?

Auf die weitere Entwicklung von Box.net darf man gespannt sein. Noch ist die Software sehr stark daran orientiert, das Arbeiten an bestehenden Dateien über die Cloud zu vereinfachen. Das Erstellen gänzlich neuer Inhalte, etwa über Wiki-Funktionalitäten, ist noch nicht vorgesehen, nicht zuletzt, weil man bestrebt ist, den Gebrauch dieser Software so einfach wie möglich zu halten. Denkbar ist aber, dass die Kunden Funktionen von klassischer Collaboration-Software nachfragen und diese implementiert sehen wollen.

Abzuwarten bleibt auch, ob und wie Unternehmen wie Atlassian, Huddle oder Socialtext darauf reagieren werden. Zum Schluss noch etwas „Werbung“, ganz ohne Hintergedanken und ohne dafür von einer SEO-Agentur bezahlt worden zu sein…

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