Social Media mit der Brechstange? Cortal Consors Marketingaktion „Das Szenarium“

Cortal Consors hat sich eine ungewöhnliche Marketingaktion ausgedacht, wenn man berücksichtigt dass es sich hier um eine (Direkt-) Bank handelt. Eine Woche lang lassen sich zwei junge Berliner (eineiige Zwillinge) Tag und Nacht dabei beobachten, wie sie verschiedene Aufgaben lösen. Das „Experiment“, bei dem einer der Brüder mehr oder weniger autonom agieren kann, während der andere sich nach einem situativ immer wieder neu durchgeführten Publikums-Voting richten muss, wird von einem Psychologen begleitet, was aber Assoziationen mit dem Fernsehformat „Big Brother“ (RTL2) nicht verhindern kann.

Das Ganze ist keine Werbung für RTL oder eine Variante von Big Brother, sondern soll der Kundenzielgruppe der Bank verdeutlichen, dass autonome Entscheidungen genauso gut oder besser sein können, als die beratende Unterstützung einer Bank. Somit steht Martin, der selbstbestimmt handelnde Bruder, für den mündigen Kunden einer Direktbank, während Felix, der dem Zuschauer-Voting unterliegt, den Typ des Beratungskunden einer normalen Bank oder Sparkasse symbolisiert. Ob das gut geht?

Das Grundkonzept erscheint durchaus plausibel, während die Umsetzung doch eine Reihe von Fragen aufwirft:

  1. Das Camping-ähnliche Setting lässt auf Anhieb wenig Ähnlichkeit mit Bank- bzw. Wertpapiergeschäften erkennen.
  2. Die permanente Begleitung mit Kameras bringt ein voyeuristisches Element ins Spiel, das branchenuntypisch für das sonst so diskrete Bankgeschäft ist.
  3. Die mehr oder weniger rund um die Uhr und sieben Tage währende Aktion macht es Zuschauern mit wenig Zeit schwer, zu den jeweils wichtigen Momenten dabei sein zu können. Am Ende partizipiert vielleicht die falsche Zielgruppe, nämlich Teenies mit viel Freizeit (und ohne Geld auf dem Bankkonto).

Davon abgesehen ist natürlich interessant zu beobachten, wie hier Social Media eingesetzt und (im Lauf der Woche) vom Publikum angenommen wird. Es gibt ein Blog, einen Twitterkanal und eine Facebook-Seite. Im Mittelpunkt des Interesses steht natürlich die Website, auf der die Videostreams zu den beiden Brüdern zu sehen sind. Diese Seite weist selbst keine interaktiven Elemente auf, verlinkt aber auf das Blog und zum Voting auf Facebook.

Am ersten Tag der Aktion (Montag, 13. September 2010) zeigt sich, dass die Facebook-Seite rasch über 1.200 Fans gewinnen konnte, während auf Twitter nur knapp 100 Follower dabei sind. Das aber ist kein Wunder, denn @dasszenario folgt niemandem zurück. Dialoge scheinen nur auf Facebook erwünscht. Dort aber sieht es so, als würde sich hier das oben schon erwähnte jugendliche Taschengeld-Publikum breitmachen, während die Klientel mit Geld fürs Wertpapierdepot vorerst wohl lieber unsichtbar bleibt.

Warten wir ab, wie sich die Aktion über die nächsten Tage weiter entwickelt und welches Medienecho sich begleitend einstellt. Ich werde ein Auge darauf haben und (vielleicht) wieder darüber schreiben…

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Zwar ein sehr Intressantes Experiment,allerdings durch die Provisionen die dort für die Voter eingestellt ist nicht immer zu dem Vorteil des gesteuerten Zwillings…

  2. Wenn ich es recht sehe, sollte ja auch der selbstgesteuerte Zwilling gewinnen, weil das der „Beratungs-Philosophie“ von Cortal Consors entspricht (der Kunde ist klug genug, um autonom Entscheidungen zu treffen).

    Am Freitag den 17.09. hat die Facebook-Seite zum Experiment knapp über 2.100 Fans. Das ist zwar eine Verdoppelung gegenüber dem Wochenanfang, aber wirklich viel ist es nicht.