Facebook, Ilse Aigner und das personalisierte Internet

flickr Facebook t-buck

Auf Carta habe ich einen Artikel über Facebook veröffentlicht, der sich mit der Aktion von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) in Sachen Datenschutz befasst. Was vordergründig vielleicht trocken und langweilig klingt, ist tatsächlich ein hochspannendes Thema.

Facebook möchte künftig Daten aus den Profilen seiner User an Dritte weitergeben, so dass diese auf ihren Webseiten die Besucher persönlich ansprechen und ihnen tendenziell „maßgeschneiderte“ Inhalte präsentieren können. Damit stehen wir vor dem personalisierten Internet, das in dieser Form eine ganz erhebliche Veränderung gegenüber der bisherigen Situation im Netz darstellt.

Dabei geht es natürlich um das große Geschäft: Facebook möchte mit dem Verkauf von Profildaten (viel) Geld verdienen und zugleich die mitwirkenden Seitenbetreiber enger an sich binden. Diese wiederum sollen über eine gezieltere Ansprache mehr Umsatz im Wege des E-Commerce machen können. Mitwirken können aber auch Medienhäuser und Verlage, die auf Paid Content setzen.

Unternehmen aus dem B2B-Bereich sollten die Entwicklung mitverfolgen. Denn längerfristig könnten auch für sie solche Strategien erfolgversprechend sein. Nur würden sie vielleicht nicht Daten von Facebook kaufen, sondern von spezielleren Netzwerken wie LinkedIn.

Zunächst aber muss das Thema vermittelt und diskutiert werden. Facebook versucht derzeit, auf die stille Art das Thema an seinen Usern vorbei zu mogeln und hofft wohl auf einen Gewöhnungseffekt. Dagegen läuft Ilse Aigner Sturm und droht, ihren Account auf Facebook zu löschen, wenn nicht in Sachen Datenschutz nachgebessert wird („Privates muss privat bleiben“). Leider hat sie dabei ein sehr konservatives Bild von einem Social Network vor Augen, das den künftigen Entwicklungen im Netz kaum Rechnung trägt.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. @mh hat mich gerade im Zusammenhang mit der Apps-Diskussion auf eine Idee gebracht: Wieso spricht eigentlich jeder von den Pfründen der Firmen, aber keiner von denen der Nutzer, die schließlich u.a. ihr Hirnschmalz (in Form von Text, Bildern, Vernetzung, was auch immer) zur Verfügung stellen und so de Grundlage für den Erfolg der Social Network-Unternehmen erst schaffen?

  2. @vera: Die Logik dieses Gedankens ist klar und ich denke auch, dass in fernerer Zukunft eine Vergütung für die Produktion von „Content“ im weitesten Sinne realisiert werden wird. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg und Social Networks wie Facebook werden argumentieren, dass sie uns Usern eine hochwertige Infrastruktur kostenlos zur Verfügung stellen.

    Es wäre also zu kurz argumentiert, wenn man für (hohe) Gewinne, die Facebook erzielt, sofort eine Rückvergütung für die User einfordern wollte. Denn in erster Linie nutzen die User eine Plattform, die derzeit ca. 1.000 Entwickler (bei Facebook) beschäftigt und dazu reichlich (teure) Serverkapazitäten.

    Am Ende haben wir ein Henne-Ei-Problem: Ohne Inhalte nützt die beste Software nichts und ohne eine sehr gute Software kommen keine Inhalte auf die Plattform…

  3. Nee nee, so war das nicht gemeint. Ich meinte einfach den Umstand, daß die Tatsache des user-generated content völlig unter den Tisch fällt. Sie wird nicht erwähnt, findet nicht statt. Das erstaunt mich zunächst mal, ehe ich daran weiter herumdenkele. Denn dieses Faktum findet anscheinend auch in den Köpfen der user nicht statt, und das ist doch bemerkenswert.

    Hat uns ‚die Industrie‘ so konditioniert, oder sehen wir es nicht, weil wir permanent damit beschäftigt sind, all diese hübschen neuen Dinge zu benutzen, i.e., auch Nutzen daraus zu ziehen?
    Wenn ich etwas auf …Kaffee bei mir? schreibe, ist mir das als Eigenleistung bewußt. Während ich tweete, ist jedoch der Gedanke des etwas-benutzens im Vordergrund, also eine ‚Fremdleistung‘ in Anspruch zu nehmen. Das ist sonderbar, weil ich beim Schreiben WordPress ja auch benutze.

    Ist wahrscheinlich ein bißchen wild. Denke noch mal dran rum, wie ich es besser erklären kann.

  4. Pingback: bwl zwei null · Soziale Netzwerke und Beziehungen in der digitalen Gesellschaft

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