Joi Ito: People want to pay to express themselves

Dieses Video blieb mir einfach im Gedächtnis hängen, seitdem ich es im Blog von Gerd Leonhard gesehen habe. Joi Ito, amerikanischer Venture Capitalist mit (sichtbar) japanischer Abstammung, spricht einen Gedanken aus, der so naheliegend wie ungewöhlich zugleich ist:

Die Menschen sind bereit dafür zu bezahlen, dass sie sich selbst ausdrücken bzw. darstellen dürfen. Als Beispiel erwähnt Joi Ito die Fotocommunity Flickr, die sich im Wesentlichen über ihre Pro-Accounts finanziert.

Davon abgesehen fallen einem sonst nur Dienste ein, die zwar sehr gut zur Selbstdarstellung taugen, aber noch über kein richtiges Geschäftsmodell verfügen: Facebook, FriendFeed und Twitter…

Ändert man aber die Perspektive und sieht vom Social Web ab, erscheint die Idee von Joi Ito gar nicht mehr so besonders: In der Welt der realen Güter waren die Menschen schon immer bereit, viel Geld dafür auszugeben, wenn sie sich damit nur angemessen selbst darstellen konnten.

Von den Kathedralen des Mittelalters und der Kunst in Florenz oder Venedig bis hin zum modernen Markenartikel bot noch jede Epoche reichlich Gelegenheiten für einzelne oder Gruppen (Kollektive), sich angemessen zu präsentieren.

Nur im aufblühenden Internet scheint das nicht mehr so recht zu gelten. Statt Exklusivität ist hier ganz überwiegend Egalität angesagt. Das macht es wohl enorm schwer, Dienste zu monetarisieren bzw. bringt die vielen Gründer kaum auf Ideen, wie sie freie und kostenpflichtige Elemente so kombinieren könnten, so dass daraus ein Schuh, sprich ein ordentliches Geschäftsmodell würde und zugleich dem Wunsch der User Rechnung getragen wäre, sich bestmöglich selbst darzustellen.

Im Übrigen darf auch die Medienbranche noch viel über die Aussagen von Joi Ito nachdenken. Die sogenannten Massenmedien nämlich sind noch sehr weit davon entfernt, ihren Lesern oder Zuschauern die Möglichkeit einzuräumen, sich einzubringen. Da ist es überhaupt kein Wunder, dass es mit den digitalen Geschäftsmodellen nicht so recht klappen will…

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. das verlangt tatsächlich eine radikale umpolung der perspektive. was mich hier interessiert, ist z.B. der gegensatz von einem hyperlocal networks-Ansatz, der noch von Zeitungen her gedacht ist, die mit Social Media aufgebrezelt werden, und einem neigborhood 2.0-ansatz, wie er ansatzweise von Outside.In praktiziert wird. wobei ich auch dennoch nicht weiß, welche bezahl-metapher dort die richtige wäre. („mitgliedschaft“? „abo“? micropayment mit vorkasse a la skypeout? …)

  2. @Martin Lindner: Noch interessanter wäre es, solche Konzepte würden nicht nur Einweg-Bezahlsysteme ins Auge fassen, sondern auch die Möglichkeit einschließen, dass der Einzelne kleine Beträge für eigene, gute Beiträge bekommen kann. Ein „atmendes“ System sozusagen.

  3. Ich sehe das Hauptproblem vor allem darin, dass sich in unseren Breitengraden erstens das Online-Bezahlen noch nicht wirklich durchgesetzt hat und zweitens die Transaktionskosten noch zu hoch sind.

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