Kann Kachingle die Zeitungen retten?

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Eigentlich reibt man sich als Blogger da ja verwundert die Augen: Noch vor nicht allzu langer Zeit sahen Printmedien recht herablassend auf Blogs und andere neue Medienformate im Internet herunter. Das gedruckte Wort schien eine unerschütterliche Bastion zu sein und der Medienwandel ein Thema für eine ferne Zukunft.

Jetzt, wo den Zeitungen unvermutet rasch das Totenglöckchen läutet, ist guter Rat teuer: Woher die Umsätze nehmen, wenn man schneller als gedacht sein Geschäft ins Internet verlagern muss? Kachingle könnte da gerade recht kommen und Robin Meyer-Lucht plädiert auf Spiegel Online (warum nicht auf Carta?) für das amerikanische Startup und dessen idealistisches Moment.

Idealistisch ist in der Tat, was Kachingle bewerkstelligen möchte. Die Leser sollen freiwillig bezahlen, Kachingle fungiert dabei nur als als Vermittler zwischen Spendern und Medien. Robin Meyer-Lucht spricht denn auch von einer „Kultur der verantwortlichen Vergütung“ und meint, die Sache sei ein Versuch wert.

Ich meine: Für so etwas ist es noch 20 Jahre zu früh. Unsere Gesellschaft sollte durchaus das Ziel haben, gute Projekte (auch dauerhafter Natur) über freiwillige Spenden zu finanzieren. Derzeit dürfte im Web aber eher noch die Mentalität des Trittbrettfahrens vorherrschen und Kachingle den Zeitungen somit wenig helfen können.

Wenig ermutigend in diesem Kontext ist auch die bislang geringe Resonanz im Internet auf das Konzept von Kachingle. Von den großen amerikanischen Blogs hat sich bislang keines dazu geäußert, auch nicht Jeff Jarvis. Aus der zweiten Reihe fällt Alan Mutter (Reflections of a Newsosaur) auf, der sich die Mühe einer Kalkulation gemacht hat und damit zu ernüchternden Ergebnissen kommt.

Was also tun?

Vorschnell verwerfen sollte man Kachingle deswegen nicht. Ergänzend aber könnte man noch einen Blick auf den Nonprofit-Sektor werden und sehen, wie dort aktuell die Frage des Fundraisings diskutiert wird. Etwa bei Dr. Brigitte Reiser (Nonprofits-vernetzt) oder Thilo Reichenbach (Fundraising & Social Marketing).

Wem das eine zu harte Kost ist, dem bleibt ja noch die Werbung und mit ihr das konjunkturzyklische Auf und Ab, mit dem Zeitungen seit jeher zu leben gelernt haben…

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich bin da etwas optimistischer, denn es gibt mehr und mehr Beispiele, die in diese Richtung gehen. Ob das nun der FairTrade-Gedanke ist, das von Dir angesprochende Beispiel Kachingle oder auch interessante Veränderungen im Bereich der ökonomischen Forschung. Überall tut sich was und eigentlich müssen wir ja gar nicht darauf warten, dass der „große Durchbruch“ stattfindet, sondern wir können einfach tun.

    Was die Sache erleichtern würde, sind neue Transaktionswege, um das Geld schnell, unkompliziert und ohne große Kosten von A nach B transferieren zu können.

  2. @Christian: So sehr ich einerseits die Spendenmodelle begrüße, so unwohl fühlt sich noch der „Betriebswirt in mir“ bei der Sache. Ich bleibe aber am Thema dran… :-)