Über die Not mit der Musik im Internet

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Bekanntlich setzt der Medienwandel einigen Branchen ja furchtbar zu, insbesondere der Musikindustrie. Nun wollte ich gestern dieser notleidenden Branche unter die Arme greifen und einen Musiktitel ganz legal käuflich erwerben: Ich hatte den Film Orlando gesehen und war von dem Musikstück, das den Abspann begleitet, angetan.

Es war eine Kleinigkeit über das Internet herauszufinden, dass hier Jimmy Somerville einen Song namens „Coming“ singt. Wo aber kann man den Titel kaufen? iTunes, meine erste Anlaufstelle, konnte mir kein Angebot machen: Man hat zwar einige Alben des Künstlers im Sortiment, nicht aber die Filmmusik zu Orlando.

Amazon wiederum würde mir gerne die komplette CD verkaufen, der aktuelle Preis beträgt aber stolze 28,99 Euro. Die DVD des Films hingegen gibt es schon für bescheidene 9,95 Euro. Eigentlich will ich ja weder das eine noch das andere. Zudem wundert mich der große Preisunterschied zwischen CD und DVD. Ist das ein Ausdruck rationaler Preispolitik?

Auf Anhieb fand ich keinen anderen Anbieter, bei dem ich nur den Song hätte kaufen können. Deshalb machte ich mich auf die Suche nach den „kostenlosen“ Varianten. Bekanntlich wird im Internet ja viel getauscht und heruntergeladen, auch wenn die Meinungen über die Legalität solcher Vorgänge naturgemäß auseinander gehen.

Um es kurz zu machen: Ich fand nur den Film, nicht aber das Album (und verzichtete natürlich auf einen Download). Da stehe ich nun als Konsument und kann mir den Song nur auf YouTube (oder auch Last.fm und einigen anderen Musikplattformen) anhören, nicht aber käuflich erwerben – und noch nicht einmal (verbotenerweise) irgendwo herunterladen. Ob das mit einer Kulturflat besser wäre, wie sie aktuell von Wolfgang Michal verteidigt wird? Ich fürchte nicht…

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Matthias,

    Du sprichst mir aus der Seele! Auch wenn ich Dein genanntes Problem nicht beim selben Song hatte. Sowas kommt aber ziemlich oft vor. Bei mir kommt noch hinzu, dass ich sehr viele Platten habe und auch immer noch kaufe. Die Platte ist das teuerste Medium und ich bekomme keinen kostenlosen Download dazu. Ja glauben denn die Musik-Manager, dass ich meine Plattensammlung nun händisch digitalisiere, weil ich viellecht mal einen Song auf dem MP3 Player hören möchte oder gar, dass ich mir extra noch ein MP3 kaufe, obwohl ich im Durschnitt schon 15,00 / Maxi ausgegeben habe?

    Wohl kaum. Kundenunfreundlicher als die Musikindustrie geht’s nimmer

  2. @einname: Bei „Oink“ musste ich erst schnell googlen. Jetzt ist alles klar…

    @Claudia: Da sind wir uns sehr ähnlich! Auch ich habe den Großteil meiner Musik auf CD, schiebe aber nach und nach die Musik auf den iTunes-Player (ein Alptraum bei klassischer Musik, da iTunes oft keine passenden Cover hat und man sie im Web suchen muss und dabei dann möglicherweise irgendwelche Bildrechte verletzt, obwohl es für Musik ist, die man vor Jahren ganz normal gekauft hat!).

  3. @Swen: Netter Vorschlag! Ist aber immer noch viel Geld, weil ich das meiste davon ja gar nicht haben will. :-)

  4. Verstehe das Problem nicht.
    Ich gebe „Jimmy Somerville Coming“ bei Google ein und auf der ersten Ergebnisseite kann ich das Lied (in ok-er Qualität) anhören.
    Dann einen Audio-Recorder anwerfen und das Lied mitschneiden.
    Kostet Dich inklusive der Suche einer Freeware für dein System zum Audio-Karten-Mitschnitt und Instalation weniger Zeit, als diesen Blogeintrag zu schreiben, oder gar in den Plattenladen zu gehen und die CD zu bestellen. Wo ist jetzt das Problem? Dass es nicht jedes jemals aufgenommene Lied auf iTunes zu kaufen gibt? Dass diese Welt nicht absolut perfekt ist? Dass nicht immer die Sonne scheint? Und was hat dieses „Problem“ (vor 10 Jahren wäre es unmöglich gewesen das Lied auch nur irgendwo anzuhören) mit der Kulturflatrate zu tun?

  5. @Wolfgang: Du bringst mich da auf etwas… 😉

    Im Ernst: Es geht um das Geschäft der angeblich so notleidenden Plattenindustrie. Es wäre doch ein Leichtes, alle ohnehin schon digital vorhandene Musik in einem Onlinestore anzubieten (Stichwort: „Long Tail“).

    Das aber ist nicht der Fall, wie mein kleines Beispiel zeigt. Statt dessen gibt es auf Amazon die DVD des Films und den Soundtrack auf einer maßlos überteuerten CD. Was soll also das Gejammer einer Industrie, die es nicht schafft, zeitgemäße Shopkonzepte aufzusetzen?

    Die Kulturflatrate könnte ein Ersatz für entgangene Umsätze (für Künstler) sein und vielleicht sogar Methoden wie von Dir vorgeschlagen rechtlich heilen. Aber noch ist das ein vages Konzept…

  6. Nun, in Amiland bekommen Kinder einen gelben Schein, wenn sie mit einem Schreikrampf zu Boden sinken, weil ihr iPhone kaputt, geklaut oder einfach unauffindbar ist. In Deutschland sind wir noch nicht soweit, dass verstanden wird, dass man mit dem Internet Geld verdienen kann, weil auf 126788124512467134 Websiten erklärt wird, dass die Kultur des Web darin bestand und immer bestehen wird, dass alles und immer freie Inhalte sein werden. Währendessen macht etsy im Jahr 100 Millionen Umsatz im Jahr, hat amazon sein erste Umsatzmilliarde schon 2007 hinter sich gebracht.

    To make a long story short: Entweder man macht so etwas selber oder man wartet, bis wieder ein 17-Jähriger heute abend am Rechner das beginnt, was in zwei Jahren zum ersten Mal 300 Millionen Umsatz macht mit Onlinemusik. Wie sagt Godin: Don’t plan: execute – and learn while acting.

    Ach ja und glaubt bloß nicht, dass Bertelsmann oder Warner das nächste coole Tool ins Netz stellen…ich erinnere nur an itunes.

    Ciao

    Jörg

  7. Es gibt nicht DIE „Plattenindustrie“. Es gibt sehr viele unterschiedliche Labels.
    Und ein „cooles Tool“ von Warner (haben die eigentlich noch ein Label – das ist doch in Deutschland nur noch ein Verlag) oder Sony oder EMI würde das beschriebene Problem daher auch nicht lösen. Dann bekommt ihr nämlich nur die Lieder von Warner ODER Sony ODER der EMI…

    Und: Soll ich dir das Lied organisieren und per mail schicken? 😉
    Wenn du da moralische Bedenken hättest kannst du ja einen Euro im Briefumschlag an die EMI schicken…