Persil bloggt und keiner ist damit zufrieden

persil logoPersil bloggt. Das ist zunächst einmal eine sehr erfreuliche Tatsache. Schaut man aber auf die Reaktionen in der Blogosphäre, scheint eher eine mittelgroße Katastrophe passiert zu sein. Persil kann es den Blogger-Profis offenbar nicht recht machen. Robert Basic gibt sich noch durchaus witzig, aber schon beim Werbeblogger geht man in die Vollen und andere schließen sich der Kritik an.

Gewiss: Auch ich finde die Tatsache, dass man für das Kommentieren im Persilblog sich erst anmelden muss, etwas merkwürdig, um nicht zu sagen unangemessen. Aber sonst habe ich noch nicht viel zu kritisieren. Die ersten Beiträge sind ein durchaus ordentlicher Einstieg und gerade die Mischung aus aktuellen Themen und Rückblenden in die Historie der Marke Persil finde ich gut.

Ob es auf Dauer gut ist, ähnlich wie im Daimler-Blog, eine recht große Zahl an Autoren in das Blog einzubinden, wird sich weisen. Die Dialogkultur könnte darunter leiden. Aber sie muss es nicht. Denn wir sollten sehen, dass Persil nicht vorrangig für die (etablierte) Blogosphäre schreibt, sondern wohl eher für Freunde der Marke. Und da mögen die Uhren etwas anders laufen, als bei den Geeks und Freaks des Web 2.0.

Und zum Schluss die Frage an die Kritiker des Persilblogs: Welcher Blogger wird schon gerne an seine allerersten Postings erinnert? Müssen wir das neue Blog gleich in die Kochwäsche geben, oder würde für den Anfang nicht auch mal ein Schonwaschgang genügen?

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Vollkommen richtig! Auf jeden Fall lobenswert ist die Tatsache, dass immer mehr Unternehmen (jetzt auch die größeren) diesen Schritt wagen.
    Bisher wurde immer gefragt, warum deutsche Unternehmen nicht bloggen und vermutet, dass sie Angst vor dem Kunden hätten. Jetzt betreten diese, bisher Gescholtenen, Neuland und werden schon wieder gerügt.
    Wir Deutschen konnten schon immer gut kritisieren, darin sind wir Benchmark.
    Kritik kommt hauptsächlich aus der Blogosphäre. Vermutlich zählt der größte Teil der Zielgruppe des Persilblogs jedoch nicht zu dieser.

  2. Ich kann mich auch nur anschließen – vielleicht sollte man bei neuen Blogs auch mal eine kleine Schonfrist einführen, in der man sich mit Kommentaren noch etwas zurückhält 😉 Ich finde es zumindest lobenswert, dass man den Schritt wagt.

    Allerdings ist die Kritik vielleicht für die Verbreitung des Blogs nichtmal so schlecht: ich wollte das Blog auch nochmal durchschauen, aber anscheinend ist der Ansturm gerade zu groß (Internal Error 500, Error establishing a database connection)…

  3. Genau das hab ich auch gedacht. So schlecht ist das da drüben gar nicht. Ich hab zwar bei mir auch bisschen kritisiert, aber ich denke und hoffe,eher konstruktiv. So einen Verriss wie beim Werbeblogger find ich auch nicht ok, bzw. verfrüht. Nun lasst sie doch erst mal anfangen.

  4. Schön, dass andere das auch so sehen. Dem Persilblog sollten wir eine Chance geben, auch wenn der Server im Moment tatsächlich nicht errreichbar ist.

  5. Sehe das übrigens genauso. Aber das führt mich zu einer Regel, die ich immer wieder herunterbete, wenn es um professionelle Projekte geht: Erst im Geheimen anfangen und öffentlich gehen, sobald es rund läuft. Diese ganze „Beta“-Sache mag ja bei Startups noch durchgehen und ein bisschen nett und sympathisch wirken, von großen Unternehmen erwarte ich hingegen fertige und funktionierende Projekte und Produkte. Henkel ist eben nicht Walther’s oder MyMuesli, die sympathischer rüberkommen, wenn sie Fehler machen und diese zugeben.

    Was die Kommentare angeht: Es würde mich nicht wundern, wenn bei allen größeren Blogs künftig nur noch nach Anmeldung kommentiert werden kann. Das dürfte zum einen die Diskussionskultur in manchen Blogs wieder versachlichen und könnte sogar rechtlich notwendig werden.

  6. Großartig.

    Lasst die doch erstmal bloggen. Die müssen doch erst lernen und leben. Learning by doing :)

    Ich finde es super, dass es jetzt einen Waschmittel-Blog gibt. Bis jetzt habe ich sehr oft die Erfahrung gemacht, dass viele Unternehmer oft denken sie hätten nichts zu bloggen.

    „Wir bloggen? Also soo coole Sachen haben wir doch gar nicht. Wer interessiert denn sowas?“

    In diesen Gespräch werde ich dann auf den Persilblog verweisen. Auf den Gesichtsausdruck meines Gegenübers freue ich mich jetzt schon 😀

  7. @Jan: Das ist richtig beobachtet. In den Bereich der Übung vorab würde auch noch das Lesen anderer Blogs und das Kommentieren auf denselben gehören.

    @Michael (Webkonzepter): Deine Erfahrung, dass die Unternehmer sagen, sie hätten nichts zu bloggen, kenne ich auch. Das ist aber ein Trugschluss, es fehlt meist nur der richtige Blick auf die Dinge.

  8. Ich sehe das genauso … hauptsache die Blogger können in den Krümeln suchen und drauf rumhacken, wenn ein Unternehmen nicht so bloggt, wie es sich nach ihren Regeln gehört. Im Prinzip kann doch jeder seinen Weg gehen und austesten, was am besten für ihn funktioniert. Selbst wenn ein Blog den Bloggern nicht gefällt, muss das doch noch lange nicht heißen, dass es er bei den Verbrauchern nicht ankommt.

    An Webkonzepter: Es gibt übrigens schon einen „Waschmittel“-Blog: http://www.froschblog.de Aber um genau zu sein, müsste man hier eigentlich „Putzmittel-blog“ sagen. Die moderieren zwar die Kommentare, aber registrieren muss man sich nicht.

  9. Zunächt ist es sehr positiv und zu begrüßen, dass Unternehmen neue Kommunikationsformen testen; mit der Betonung auf „testen“! Ich bin sehr wohl der Meinung, dass wir allen Unternehmen eine Lern- und Testphase zugestehen müssen – unabhängig von Größe und Alter.

    Zwei andere Punkte sind m.E. von größerer Bedeutung:

    Punkt 1) wieder die leidige Frage nach der Zielgruppe – ich bin wohl nicht gemeint 😉

    Beim Persil-Blog geht da etwas durcheinander:

    Die förmliche Anmeldeprozedur – „Melden Sie sich hier an und schreiben Sie einen Kommentar.“ – schreckt das junge und internet-affine Publikum eher ab.

    Andere stutzen bei Überschriften wie „Wir suchen Euren hartnäckigsten Fleck!“ oder bei der lockeren Ansprache „Habt Ihr …“, „Wir laden Euch …“.

    Ich wünsche mir hier mehr Mut und eine klare Entscheidung, die konsequent durchgehalten wird. Meine Empfehlung: lockere Sprache, aber beim „Sie“ bleiben (Unternehmen, die als eher konservativ eingeschätzt werden, sollten m.E. nicht auf „Jugend-Sprech“ machen; wirkt anbiedernd); Kommentare freigeben und zeitnah moderieren und auch beantworten!

    Punkt 2) wie steht es mit der Verteilung von Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung? Je größer das Unternehmen, desto größer ist die A-K-V-Herausforderung; jeder Berater kann davon ein Lied singen 😉 (Bloggen heißt auch schnell reagieren, dem widerspricht leider i.d.R. die Ablauforganisation in größeren Unternehmen :( )))

  10. @Rainer: Gut gesehen! Das Persilblog hat (noch) ein leichtes Problem mit der Ansprache. Einerseits will und darf man nicht zu kumpelhaft erscheinen, andererseits aber auch nicht übertrieben steif und seriös. Die Balance ist heikel und kann wohl erst im Lauf der Zeit gefunden werden, wenn klar ist, wer das Blog überwiegend liest. Je jünger das Publikum ist, desto lockerer könnte die Ansprache sein. Sammelt das Blog aber eher ein älteres, markenverbundenes Publikum, muss der Tonfall mehr in Richtung „Respekt“ gehen.

    Zum zweiten Punkt: Ich hatte bei mir im Artikel schon eine leichte Kritik an der Größe des Teams geübt. Allerdings kennen wir die Modalitäten hinter den Kulissen von Henkel nicht. Gut möglich, dass dort ein(e) Hauptverantwortliche(r) die Fäden in der Hand hält und für kurze Reaktionszeiten sorgt. So läuft das auch bei Daimler, wo zwar viele schreiben, aber Uwe Knaus immer die Kontrolle behält.

  11. Ich denke, der Trend geht weg von einer statischen Unternehmenspräsentation hin zu mehr Interaktionen mit den Besuchern.

    Der Austausch über Webseiten wird – hoffentlich – mehr und mehr zu einer „Normalität“; ob man das dann noch Blog nennt, sei dahingestellt, spielt aber auch keine Rolle :)

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  13. Pingback: Corporate Blog bei Henkel: Welpenschutz für das Persilblog - BlogTrainer [BusinessBlogs]