Zoomer, Social Networks und das Web 2.0

Kaum ist Zoomer (unter nicht wenig Kritik bei den Bloggern) gestartet, liefern die Schlagzeilen zu meinVZ schon den Stoff für die nächste Welle der Empörung. Zoomer und meinVZ gehören nämlich beide zur Verlagsgruppe Holtzbrinck und da bleibt eine „unkritische Nähe“ in der Berichterstattung natürlich nicht unbemerkt.

Man darf gespannt sein, was da noch so kommt. Denn die Entwicklung bei den Social Networks legt eigentlich nahe, dass auf längere Sicht zwischen Zoomer und den Holtzbrinck’schen VZ’s die Verbindung immer enger wird. Die Richtung dazu gibt wieder einmal Facebook vor: Dort wird gerade der „News Feed“ für Nachrichten von außen geöffnet, ausführlich erläutert dies gerade ReadWriteWeb.

Der Kern der Frage ist: Wo werden die User im Internet Nachrichten lesen? Gehen sie dazu auf die Websites der Verlage und Zeitungen oder bleiben sie auf speziellen Portalseiten? Vielleicht keines von beiden. Gut möglich, dass die Generation, die mit Facebook & Co aufwächst, ihre Schlagzeilen eben gleich dort konsumiert. Bei Facebook klappt das jetzt schon recht gut, etwa wenn man Blogs lesen möchte. Diese lassen sich über Applikationen einbinden, so dass man fortlaufend zu den selbstgewählten Blogs sieht, ob es neue Artikel gibt. Natürlich kann man sie auch gleich dort lesen und muss die Plattform deswegen nicht verlassen.

Befremdlich wirkt in diesem Kontext, was Marcel Weiß hervorhebt: Demnach sieht die Geschäftsleitung von studiVZ keinen dringenden Bedarf für so etwas wie einen News Feed. Und wenn das bei studiVZ so gesehen wird, dürfte es bei den anderen VZ’s nicht anders sein. Damit wird ein wichtiger Trend (wieder einmal?) falsch eingeschätzt.

Zoomer muss sich also mit „echter Reklame“ in den VZ-Communities begnügen und dafür auch die normalen Preise für Anzeigen bezahlen, wie Frank Syré betont. Die schwierige Frage, wie man denn künftig mit Nachrichten, Schlagzeilen und Kommentaren noch Geld verdienen kann, wenn das alles einmal buchstäblich in den Kanälen diverser News Feeds und Life Streams versickert, braucht er also noch nicht so schnell zu beantworten.

Dennoch hier (nochmals) meine Empfehlung an Unternehmen aller Art: Fangt endlich an zu Bloggen und macht damit Eure Nachrichten selbst! Denn wenn erst einmal die semantischen Newsaggregatoren und Crawler so richtig im Web unterwegs sind, müssen diese nicht mehr den Umweg über die Seiten von Zeitungen oder über Portale gehen, sondern holen sich direkt was ihnen interessant und passend erscheint.

Und die Medienhäuser? Schon möglich, dass sie noch für lange Zeit ein Auskommen haben werden. Peter Neumann skizziert das hier in den Kommentaren und deutet damit an, dass es künftig eine zweigleisige Medienwelt geben könnte. So gesehen wäre der einzige Haken an Zoomer, dass es sich mit seinem redaktionell erstellten Content gezielt an ein junges Publikum wendet, dem möglicherweise die aggregierten Nachrichten in einem News Feed im Social Network seiner Wahl reichen.