Wie gewinnt man User für eine Social Community?

Traffic Flickr PoagaoVor dieser Situation stehen immer öfter etablierte Firmen wie Startups gleichermaßen: Man will nicht mehr einfach nur Traffic auf einer Website (à la Web 1.0), sondern möglichst viele User für eine (neue) Social Community gewinnen (vive le web 2.0!). Wie aber schafft man das?

Interessant ist dabei, dass sich beide Gruppen schwer tun, wenn auch aus unterschiedlichen Richtungen. Die jungen Gründer können meist sehr gut programmieren und sind im Web zuhause. Ihnen fehlen aber oft Kenntnisse und Erfahrungen im Marketing. Das beherrschen im Prinzip die etablierten Firmen, die sich dafür mit dem Medium Internet eher schwer tun und in den allermeisten Fällen auch nicht selbst programmieren. Beiden gemeinsam ist meist, dass sie für Berater oder Agenturen wenig bis kein Geld ausgeben wollen (oder können).

Was tun?

  1. Sich ein klares Bild von der Zielgruppe machen. An diesem Punkt hängt es fast immer: Die Vorstellungen sind zu diffus bzw. zu allgemein. Man will möglichst allen etwas Gutes tun. Mit einem kleinem Budget geht das aber nicht. Deshalb sollte man sich klar fokussieren und einschränken. Erweitern kann man später immer.
  2. Ein Blog aufsetzen, möglichst lange (= mehrere Monate) bevor die Community selbst online gehen soll. Das Blog dient (1) der „Übung“ der Kommunikation im Web 2.0, (2) dem Aufbau eines Online-Netzwerks und (3) auch schon zur Ansprache der Zielgruppe. Ein Blog ist das billigste und beste Übungsfeld und wird doch meistens verkannt.
  3. Offline-Werbung von Anfang an einplanen. Kaum eine Community dürfte allein über das Web auf die Beine kommen. Ausnahmen wie Facebook – sind eben Ausnahmen! Dabei (wenn möglich) erst nur im lokalen Umfeld operieren und ausprobieren. Das was funktioniert verbessern, was nicht funktioniert verwerfen. Nach ein paar Monaten muss man klar sagen können, was wie weshalb funktioniert. Dieses Prinzip dann nach und nach räumlich ausdehnen.
  4. Schon vor der Betaphase das (Online-) Netzwerk aktivieren. Dabei unterscheiden in Primärkontakte (wichtige Einzelpersonen) und Sekundärkontakte (webaffines Publikum im weiteren Sinn). Primärkontakte geben Tipps, vermitteln speziellere Kontakte und bloggen ggf. über die neue Community. Sekundärkontakte sind wichtig, wenn man für die Betaphase mehr als 20 User haben möchte.
  5. Gleich Weitertrommeln nach dem Start! Ist die Community endlich online, fallen viele ermattet in die Seile. Das aber ist tödlich! Die ersten zwei bis vier Wochen sind ganz entscheidend: Es müssen Erfolgsmeldungen raus (das Ding läuft schließlich, oder?), es muss intensiv weiter gebloggt und auch die Medien weiter bedient werden. Dabei dynamisch „nach oben“ denken und mutig bedeutendere Adressen ansprechen.

Fehlt noch etwas? Vielleicht das virale Marketing? Verlassen sollte man sich auf so etwas nicht. Fest einplanen auch nicht. Spaßeshalber kann man das aber schon tun, wie etwa Gymglish.

Entscheidender ist der grundsätzliche Blick nach vorn. Und der Blick auf die Messlatte.

12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. … gut, aber ohne dem viralen Marketing zu planen, brauchst Du auch nicht starten, weil mindestens 95% des Wachstums einer Social Community genau darüber geht, oder nicht? Es gibt sicher paar Offline-Ausnahmen, wie die kürzliche PR Kampagne von spickmich, die durch alle Medien ging. Aber damit zu planen wäre Zufallsprinzip. Meine Meinung dazu 😉 VG, René

  2. @Marcel: Das habe ich für so selbstverständlich gehalten, dass ich es gar nicht erwähnt habe…. 😉

    Aber: Bei manchen jungen Startups, die alles selber programmieren, entsteht bisweilen auch das genaue Gegenteil: Die sind so stark drin in ihrer Plattform, dass sie sich nur noch schwer in die Situation des Normal-Users hineinversetzen können.

    @ René: Letztlich geht es doch um Bekanntheit. Denn nur was ich kenne, kann ich auch mal ausprobieren (im Netz).
    Wenn das mit viralem Marketing klappt, ist es ja gut. Mir fehlt da eben noch der sichere Nachweis, dass das auch in jedem Fall klappt.

    Schau Dir das bei mir verlinkte Video von Gymglish an: Bis gestern, als ich diesen Artikel hier schreib, haben es laut YouTube knapp 500 Leute angeschaut. Das kann man nicht gerade als viralen Erfolg bezeichnen, oder?

    Ironischerweise haben den „schwäbischen Todesstern“ aber Hundertausende von Leuten angeschaut, obwohl damit keine Werbung für ein konkretes Unternehmen verbunden ist.

    Deswegen setze ich auch auf die altmodischen Dinge: Wenn Du unter Studenten bekannt werden willst, verteil kleine Zettel vor der Mensa. Das ist banal, aber es wirkt.

  3. Du hast vollkommen Recht, wenn Du von einem jungen, evtl. sogar hypigen Thema ausgehst und eine Altersgruppe zwischen 15 und 45 ansprichst.
    Ohne es ganz genau zu wissen, glaub ich aber nicht, dass Ältere Personen dem alleinigen „Vertriebsweg“ Internet nicht aufgeschlossen sind.
    Da diese Personengruppe noch lieber der Bank, dem Berater, dem Arzt, der Krankenkasse usw. vertrauen, ist über eine Vermarktung über diesen alten Weg nachzudenken.
    Prinzip: Arzt erzählt über die Vorteile Medikamente Online bestellen zu können.

    Übrigens: Bloggen ist -zumindest bei uns- nicht das billigste Übungsfeld, wenn man betriebswirtschaftlich korrekt die verbrauchte Zeit mit Stundensätze multipliziert. Warum spricht eigentlich niemand offen darüber, was bloggen -wenn es nicht als Hobby betrachtet wird- wirklich kostet? Günstiger wird es vermutlich erst dann, wenn das Brain to Blog-Interface auf dem Markt ist 😉

  4. @Oliver //: Ich hatte überlegt, im Artikel die Möglichkeiten der Ansprache (online / offline + direkt / indirekt) zu behandeln, es dann aber gelassen (zu komplex, eignet sich für ein eigenes Posting).

    Bei den älteren Menschen ist es gar nicht so einfach: Will ich etwa ein Medizinportal aufbauen, in dem auch Ärzte bewertet werden können, werde ich das wohl kaum über die (betroffenen) Ärzte selbst bekannt machen können….

    Zu den Kosten des Bloggens: Ja, es ist teuer, wenn man die dafür eingesetzte Zeit rechnet. Aber es lohnt sich trotzdem:

    (1) Startups können mit einem Blog wirklich schon mal die Online-Kommunikation „üben“ bevor sie mit ihrer tollen Networking Software online gehen.

    (2) Etablierte Firmen sollten in meinen Augen ebenfalls den Traffic für ein Portal oder eine Community erst einmal über ein Blog aufbauen. Ein Portal in Auftrag zu geben und dann auf einen Schlag zu eröffnen sehe ich kritisch: Das muss dann nämlich mit teurer, klassischer Werbung bekannt gemacht werden. Ein Blog kann da im Vorfeld Einiges leisten und das dürfte sich auch finanziell rechnen.

    Ich greife das aber gerne auf und schreibe diese Woche noch einen Artikel dazu!

  5. Ich mach mal ein Ranking aus den von Dir vorgestellten Punkten und setze den letzten Punkt an Platz 1 😉

    Heißt: Dass man dran bleibt, weiter macht und nicht ermattet in die Seile fällt ist wahrscheinlich das Wichtigste – allerdings teilweise auch das Schwierigste. Gerade in der Endphase/kurz vor dem Online-Start eines Portals ist man wahnsinnig angespannt – Stress pur. Danach dann nicht zusammenzubrechen benötigt schon einiges an Disziplin und Geduld – vor allem, wenn sich nicht sofort der gewünschte Erfolg einstellt und die Zweifel beginnen 😉

  6. @Oliver
    Sehe das genau so. Zeit ist Geld. Das wird sehr oft vergessen. Liegt wahrscheinlich daran, dass bloggen Spaß macht 🙂

    Ganz allgemein gefragt, über was sollte man denn konkret bloggen? Mir ist klar, dass man durch solch einen Blog ein gewisses Publikum gezielt ansprechen kann, allerdings wüsste ich jetzt spontan nicht direkt über was ich als Start-up bloggen sollte.

    Vorschläge?

  7. @Michael: Ein Startup kann über folgende Bereiche bloggen:

    (1) Das Geschäftsfeld bzw. den Markt, in dem man selbst tätig werden will. Da ist man ja selten allein, es gibt Wettbewerber, Innovationen, Entwicklungen im Verhalten der Kunden, die Berichterstattung in den klassischen Medien und natürlich Artikel in anderen Blogs.

    (2) Verwandte Themenbereiche, die eng mit der eigenen Geschäftsidee verknüpft sind; etwa das Internet als Medium, das mobile Web als Träger für Inhalte (auch für die eigene Geschäftsidee)…

    (3) Mainstream-Themen der Blogosphäre aufgreifen (nicht alle, aber manche): Vorratsdatenspeicherung, Haftungsfragen in Blogs (Niggemeier – Callactive)…

    (4) Über die Gründer des Startups selbst – wer seid Ihr? was macht ihr sonst so? über was habt ihr gerade viel gelacht? wo gab es unerwartet Hilfe? wo Ärger? Also das Menschliche um die neue Firma herum (ohne jeweils bereits zu viel über den Inhalt preis geben zu müssen)….

    Das reicht für Monate, wenn nicht Jahre. Und bekommt die eigene Geschäftsidee richtig Beine (Betaphase…), hat man noch jede Menge mehr Inhalte.

  8. Eine hilfreiche Auflistung, danke dafür. Ich würde gerne noch einen Aspekt aufgreifen, den Michael Kraus angesprochen hat.
    Bevor ich einer solchen Community beitrete, stelle ich mir immer die Frage, was ich davon habe, dort Mitglied zu werden. Wenn ich nun von mir auf andere schließen darf, dann denke ich, sollte der Kundennutzen sehr stark im Vordergrund stehen. Und der erschließt sich meist aus den Inhalten.

    Das heißt, der Erfolg einer solchen Community hängt wohl ganz stark vom Content und dem damit verbundenen Kundennutzen ab, würde ich meinen.

  9. @Christian: Danke für die sehr gute Ergänzung! Das ist nämlich ein kritischer Faktor für Social Communities: Ohne User kein Content und ohne Content keine User.

    Eine Community braucht also vom Start weg ein paar sehr gute Inhalte, sonst kommt das Konzept nicht oder nur schwer in Gang.

  10. Diese neue Community muss mit irgendwas aufwarten, was den User interessiert. Was er entweder gut gebrauchen kann, denkt zu brauchen oder was so neu ist, dass er es zumindest mal sehen will.

    Ich denke so gibt es auch einiges, man muss erstmal ein paar wenige überhaupt finden, weil wenn etliche Bekannte in dieser Community sind, ist auch der Hang des Einzelnen größer, den anderen zu folgen 😉