Viel Aufregung um Google’s PageRank

Reichlich groß ist derzeit die Aufregung in der Blogosphäre. Denn Google hat Hand an seinen PageRank-Algorithmus gelegt und nicht wenige Blogs, aber auch andere durchaus gewichtige Websites, empfindlich herabgestuft. Wo liegt der Hund begraben? Und ist die Aufregung berechtigt?

Google ist mit seiner Suchmaschine angetreten, den Nutzern die besten Ergebnisse für jede Suche anzuzeigen. Dass dies ganz gut gelingt, zeigt der hohe Marktanteil von knapp über 90 % in Deutschland (Oktober 2007). Da Google aber nicht in der Lage ist, Websites zu lesen und zu verstehen, kann die Suchmaschine nur eine Art Abgleich zwischen den eingegebenen Suchbegriffen und den Wörtern auf den registrierten Websites erstellen.

Regelmäßig werden dabei zu einem Suchbegriff extrem viele passende Seiten im Web gefunden. Diese müssen nun in eine Rangfolge gebracht und hierarchisch absteigend angezeigt werden. Dabei kommt der PageRank ins Spiel. Dieser fungiert als eine Art „Relevanz-Indikator“, der darüber Auskunft gibt, wie „gut“ das (einzelne) Suchergebnis einzustufen ist.

Je höher der PageRank einer Website, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie in der Anzeige der Suchergebnisse weit oben landet. Dieser Mechanismus ist natürlich den Internet- und Marketing-Experten bekannt und hat über die Jahre dazu geführt, dass nach Mitteln und Wegen gesucht wurde, die Relevanz respektive Platzierung zu beeinflussen.

An dieser Stelle kommen Links (Verlinkungen) ins Spiel: Google hatte den PageRank so entworfen, dass die Menge ein- und ausgehender Links einer Website als ein Maß ihrer Relevanz gewertet wird. Eine Seite mit viel Linkverkehr muss gute Inhalte haben, so lautet vereinfacht das Prinzip. Und genau daraus wurde im Zeitablauf ein Geschäft: Wer einen hohen PageRank hatte, konnte Links verkaufen, wer im Ranking dazu gewinnen wollte, trat als Käufer auf.

Dumm nur, dass dieser „Markt“ die Grundidee des PageRank verfälscht, möglichst relevante Ergebnisse anzuzeigen. Denn es kann durchaus argumentiert werden, dass der Handel mit Links eine gewisse Nivellierung nach sich zieht und so die Qualität von Suchergebnissen mindert. Google selbst steht mit seiner Herabstufung diverser Websites aber nicht nur als Retter des Wahren, Schönen und Guten im Internet da, sondern bedient zugleich auch seine eigenen materiellen Interessen. Das Suchimperium lebt selbst von Werbung und kann schon von daher kein zu großes Interesse daran haben, dass seine Suchalgorithmik von Werbetreibenden zu stark für deren eigene Zwecke genutzt wird.

Eine gewisse Ambivalenz kann also in Bezug auf Google schon gesehen werden. Und bei den Blogs? Ist der Wirbel, den Google hier ausgelöst hat, nur wieder mal ein Sturm im Wasserglas der Blogosphäre? Rein wirtschaftlich gesehen sicherlich. Denn um große Summen geht es bei den Blogs (noch) nicht. Deswegen sollte man sich aber nicht vorschnell den Schneid von Google abkaufen lassen. Jetzt ist eben Kreativität und Anpassungsfähigkeit gefragt. Der PageRank ist auf Dauer ohnehin nicht das Maß der Dinge.

Denn jenseits aller Aufregung steht am Horizont schon das semantische Web. Dann spätestens, so meine Hoffnung, hat der PageRank ausgedient. Eine semantische Software kann nämlich Texte nicht nur auf Stichworte hin auslesen, sondern auch Bezüge erkennen. Jeder Nutzer von Suchmaschinen weiß aus eigener (leidvoller) Erfahrung, dass es eben einen erheblichen Unterschied macht, ob das Wort „Pustekuchen“ nur so als Ausdruck in einem Text verwendet wird, oder ob der Text von nichts anderem als Pustekuchen handelt. Daran scheitert Google heute noch ziemlich kläglich. Und alle Modifikationen am PageRank werden das nicht bessern können.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: stefan.waidele.info » Gewissen: Gut, schlecht oder gar nicht :)

  2. Wie ich gerade sehe, hätte ich zu dieser Thematik eigentlich noch ein interessantes Bookmark auf delicious gehabt:

    Sascha Langner über die Faktoren, die das Ranking bei Google bestimmen, in seinem Blog „marketingNEXT“.