Bücher im Internet vermarkten

Print is deadIst Ihnen auch schon aufgefallen, dass sehr viele der Internet- und Web 2.0-Vordenker in den USA zwar eifrig bloggen, twittern und facebooken, daneben aber auch noch ganz normale Bücher schreiben? So gesehen hat das gedruckte Buch wohl doch noch eine Zukunft!

Allerdings lassen sich bei Werbung und Vermarktung von Büchern über das Internet erhebliche Unterschiede feststellen: Von der klassischen Titelpräsentation bis hin zu viralen Kampagnen ist sehr vieles möglich. Deshalb hier der Versuch einer Kategorisierung:

  1. Verlage 1.0: In diese Kategorie fallen Verlage wie das Traditionshaus Suhrkamp, die ihr Verlagsprogramm noch ganz im Stil des „Web 1.0“ darstellen. Jegliche Elemente des Web 2.0 fehlen, seien es eine Kommentarfunktion oder auch Podcasts.
  2. Verlage 2.0: Hier ist man schon weiter und setzt die neuen Funktionen des Web 2.0 (allerdings ganz unterschiedlich dosiert) ein. Bei Klett-Cotta gibt es das Verlagsblog, Rowohlt setzt auf multidimensionale Werbung und auch Diogenes hat mit Paulho Coelho einen bloggenden Autor im Programm, der gleich alle Register (selbst) zieht.
  3. Autoren 2.5: Paulo Coelho stellt eine geschickte Überleitung in eine weitere Kategorie dar, die bewusst nicht mehr das Wort „Verlag“ in der Bezeichnung führt. Hier sind Autoren gemeint, die die Vermarktung ihrer Bücher nicht dem Verlag (oder dem Zufall) überlassen, sondern selbst gezielt das Web 2.0 für ihre Zwecke nutzen. Aktuelles Beispiel ist Joseph Jaffe, der sein neues Buch u. a. über Facebook lanciert hat. Autoren mit Kultstatus (im Web) haben es (noch) leichter: David Weinberger brauchte für sein aktuelles Buch nicht viel zu machen: Technorati listet über 1.000 Blogs auf, die das Buch in der einen oder anderen Form besprochen haben.

Werden Verlage deshalb überflüssig? Wohl kaum. Denn nicht jeder Autor erreicht den Status eines Jaffe oder Weinberger (die zudem beide Universitäts-Professoren sind). Dennoch sollten Verlage aufpassen: Vom anderen Ende des Marktes her (also dem Long Tail) kommen Plattformen wie die readbox, die für Autoren ein wichtiges Instrument des Marketings sein können. Und wer dort Erfolg hat, aber keinen Verlag, wählt eben einen Print-on-demand-Anbieter als Partner.

Der „Flaschenhals“ wird künftig ganz eindeutig die Kompetenz der Vermarktung sein. Ein weiteres aktuelles Beispiel dazu liefert uns Jeff Gomez, der sein bald erscheinendes Buch mit dem bezeichnenden Titel „Print is dead“ mit Textauszügen und Podcasts auf seinem Blog bewirbt.

14 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich bin mir nicht sicher, ob wir auch zukünftig Verlage brauchen. Für mich entwickelt sich die Buchbranche in eine ähnliche Richtung wie die Musikindustrie, in der die großen Labels ums Überleben kämpfen.

    Zwar liegen zwischen der Buch- und der Musikbranche noch Welten, aber am Ende passieren die Dinge dann doch schneller als es einem lieb ist.

  2. Das könnte so kommen. Einen wesentlichen Unterschied zwischen der Musikindustrie und dem Buchsektor sehe ich aber darin, dass Musik schon lange überwiegend in digitaler Form (CD’s) gehandelt wird und es da nur noch ein kleiner Schritt ins Internet und dem ganzen Download-Phänomen war.

    Bei den Büchern wird der weit überwiegende Teil immer noch in gedruckter Form gehandelt. Im Internet werden bislang auch überwiegend nur die gedruckten Bücher gehandelt (etwa bei Amazon), während das eBook noch ein Schattendasein fristet.

  3. „Der “Flaschenhals” wird künftig ganz eindeutig die Kompetenz der Vermarktung sein. “

    da stimme ich dir zu, aber das ist jetzt ja auch schon so, wenn man gestaltung, buchhandelsvertrieb und klassische PR dazuzählt.

    im übrigen kommt noch das lektorat hinzu, denn zwar können autoren auch freie lektoren beauftragen, aber das kann schnell ein paar tausend euro kosten. ich denke auch, dass viele autoren mit der vermarktung ihrer bücher überfordert wären, die möchten und sollten ja vor allem eines tun: schreiben.

    ich bin der meinung, dass verlage in zukunft noch mehr als „labels“ funktionieren werden, die orientierung bieten (analog zur musikbranche), denen leser vertrauen entgegenbringen. und das ist vor allem für unbekannte autoren wichtig. die stars können eventuell (ähnlich wie radiohead) ihre bücher selber vermarkten, doch sollte man auch hier nicht den ruf eines verlags unterschätzen, der auch bekannte autoren immer noch beeindruckt (bsp. suhrkamp, hanser). das wird sicherlich auch in den nächsten 30 jahren noch so sein.

  4. Der Verlag als „Label“ (Marke) ist ein guter Gedanke. Aber zu einer Marke (oder einem Label) gehört auch eine gewisse Präsenz (im Web) bzw. das „wahrgenommen werden“.

    Und diese Wahrnehmung wird sich wohl immer weniger auf der eigenen Verlags-Website abspielen, sondern sich immer mehr auf Plattformen (Social Communities), auf Blogs und Werbeanzeigen auf den Seiten von Dritt-Anbietern verlagern.

    Und das Ganze nicht statisch, sondern dynamisch, in Form von Gesprächen, Diskussionen, Verlinkungen. Das wird noch spannend werden…

  5. Die Digitalisierung der Verlage schreitet voran.

    Was ich kommen sehe sind Verlags-Communities. Diese können eingekauft sein und weiterentwickelt werden. Oder ganz neue sein, USP z.B. Chatrunden, Foren mit den Autoren usw. Auch die gebündelte digitale Vermarktung hat sicherlich Potential.

    Klasse Beschreibung Verlag1.0 2.0, Autoren 2.5!

  6. Danke Norman! Verlags-Communities wären sicher eine tolle Sache. Damit so etwas aber gut läuft, müssten sich (jeweils) mehrere Verlage zusammentun. Denn wenn das jeder für sich alleine macht, dürfte kaum irgendwo genügend Traffic zusammen kommen, oder?

  7. Wie so eine Community aussehen könnte, zeigt das Projekt Readme.cc. Zwar ist da kein Verlag dabei, wenn ich mich nicht täusche, aber der Community-Ansatz ist ziemlich weit entwickelt.

    Interessant ist auch, dass es sich hierbei um ein von der EU gefördertes Projekt handelt. Auch dort hat man erkannt, wohin die Reise geht.

  8. Erstmal vielen Dank für die Erwähnung, Matthias :-).

    Was die Verlage angeht, muss man sicher unterscheiden zwischen Fach- und Unterhaltungsliteratur. Für Fachinformationen spielt der Verlag eine viel größere Rolle (als Marke), als bei der Belletristik. Wenn ich Gesetzestexte suche, gehe ich zu Beck – aber habe ich auch einen Lieblingsverlag für Romane? Hmmm…

    Inzwischen machen viele Verlage einiges: Blogs, Communities, Co-Writing-Versuche, Schreibwettbewerbe im Internet, Widgets, Digitale Volltextsuche, etc. etc. – aber keiner (ich spreche von Belletristik) hat den Kunden im Blick: Und damit meine ich den Endkunden – den Konsumenten, der am Ende das Buch kauft. Die meisten Verlage (es gibt auch Ausnahmen) sehen immer noch den klassischen Buchhandel als Ihre Kunden. Und sonst niemanden. Nicht gerade eine ausgeprägte Marketingphilosophie…

    Das Problem dabei: Der Handel wird von wenigen Gro0en dominiert, die kleinen und mittleren Verlage kommen da nicht rein. Gleichzeitig ändert sich das Mediennutzungs- und Einhkaufsverhalten: Eine immer größere Gruppe von lesenden und buchkaufenden Menschen erreichen wir nicht mehr über den Buchhandel, sondern im Internet. Die Verlage, die das klassische „Deckel-“ und „Handelsdenken“ nicht ändern, werden es zunehmend schwer haben. Da bin ich mir sicher.

  9. Noch eine kleine Info, weil Du in Deinem Beitrag das Klett-Cotta Blog erwähnst. Vor ein paar Monaten hat der Verantwortliche bei Klett-Cotta Zugriffszahlen genannt (in einem Interview mit dem buchreport). Da waren es runde 60 (!) Zugriffe pro Tag…

  10. Pingback: Voland & Quist Verlagsblog » Blog Archiv » Verlage, Bücher, Internet, eBooks …

  11. @Ralf: Fragen wir doch mal Herrn Dr. Wittmann zu den aktuellen Zugriffszahlen im Klett-Cotta Blog. Wenn ich mich recht erinnere nannte er mir auf der Buchmesse Zahlen, die schon deutlich über den von Dir genannten lagen.

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