Technologische Evolution und stellenweiser Stillstand

Über Jon Udell (Microsoft) bin ich auf Mike Caulfield und ein Video von Mike Wesch (Kansas State University) gestoßen. Es scheint, dass unsere „beschleunigte Zeit“ und die sie verursachende technologische Evolution stellenweise gar nicht „durchdringen“. Stattdessen regiert der Stillstand und die Studenten antworten auf ihre eigene Art, wie das Video eindrucksvoll zeigt.

Auf mich wirkt es seltsam, dass Studenten heute noch auf die gleiche Weise unterrichtet werden wie zu meiner Studentenzeit, als es noch kein Internet, keine Notebooks und erst recht keine Mobiltelefone gab.

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  2. Na, so negativ würde ich die Sache aber nicht sehen.
    Ich studiere Wirtschaftsinformatik an der FH Dortmund und muss sagen, dass ich echt erstaunt bin wie fortschrittlich die Fachhochschule ist.
    Ein paar Beispiele:

    1.)
    Es fängt bei der Immatrikulation an, die man inzwischen ohne Probleme online durchführen kann.

    2.)
    Die Anmeldung (und Abmeldung) zu den einzelnen Prüfungen erfolgt ausschließlich (!) über das Internet.

    3.)
    In jedem (!!) Vorlesungssaal und jedem (!) normalem Unterrichtsraum hängt ein Beamer an der Decke, der die Tafel schon lange überflüssig gemacht hat.
    Die Vorlesungen werden ausschließlich mithilfe des Beamers & Tageslichtprojektors vorgetragen.

    4.)
    All diese Präsentationen werden in PDF-Form bzw. Powerpoint von jedem Professor hochgeladen und stehen uns immer zum Download zur Verfügung.
    Praktisch für diejenigen Studenten, die „krankheitsbedingt“ nicht an der Vorlesung teilnehmen konnten & sich den Stoff in aller Ruhe zu Hause angucken können.

    5.)
    Die Einsendung von (Bonus)-Aufgaben erfolgt ebenso über das Internet und muss nicht mehr den Professoren in Papierform hinterhergetragen werden.

    6.)
    Die Kommunikation mit den Profs ist hervorragend: Jeder Prof hat seine eigene Internet-Präsenz auf der er aktuelle Ereignisse bekannt gibt. Ebenso ist es nicht unüblich die private Handy-Nr. oder E-Mail-Adresse eines Professoren zu haben um mit ihm jederzeit Kontakt aufnehmen zu können.

    7.)
    Kurzfristige Änderungen der Vorlesungen (Raumänderung, Krankheit & Ausfall eines Professors, etc…) erscheinen innerhalb kürzester Zeit auf unserer „Aktuelles“-Seite. Dank RSS bleib ich immer auf dem aktuellsten Stand der Dinge & habe schon so manche Planänderung rechtzeitig erfahren BEVOR ich mich auf den Weg zur Fachhochschule gemacht habe.

    8.)
    Der komplette Campus in Dortmund (Universität + Fachhochschule) ist für alle Studenten mit kostenlosem (!!) WLAN abgedeckt. (Dies macht sich auch an der Anzahl der Notebooks bemerkbar)

    9.)
    und und und …

    Mir würden sicherlich noch einige Punkte einfallen, hab aber ehrlich gesagt keine Zeit & Lust es hier noch ausführlicher darzustellen.
    Ich denke aber, dass meine Schilderung einen kleinen Einblick in das heutige Studentenleben gibt & man sicherlich nicht behaupten kann, dass heute genauso gelehrt wird wie vor einigen Jahrzehnten.
    Dabei muss man noch erwähnen, dass die FH Dortmund in meinen Augen eine „normale“ Fachhochschule ist. Ich möchte nicht wissen wie die Technik & Kommunikation an unseren Elite-Unis (RWTH Aachen, Heidelberg, München, …) aussieht…

    Ohne Studiengebühren würden wir wahrscheinlich noch heute die gute alte Kreide benutzen müssen 😉

    Sapere aude

    PS:
    Super Blog Matthias! Lese es immer wieder gerne.
    Mach weiter so :-)

  3. Danke für das ausführliche Feedback und das generelle Lob zum Blog. Ich werde gelegentlich mal „gegenprüfen“ ob die Verhältnisse an Fachhochschulen in Baden-Württemberg ähnlich gut sind wie in NRW, bzw. Dortmund…. 😉

    Aber streng genommen betreffen Deine Aufzählungen eher nur die Verwaltungs- bzw. Organisationsebene eines Studiums (Immatrikulation, Anmeldungen, Terminplanung, Raumbelegung…).

    Das eigentliche eLearning ist damit noch wenig berührt. So z. B. die Frage, ob ein Dozent nicht besser seine Vorlesung als Präsentation mit Ton vorab fertigt und ins Intranet stellt, so dass in der eigentlichen „Vorlesung“ kein neues Wissen mehr vermittelt, sondern nur noch darüber gesprochen wird. Damit würde durch die neuen Medien das klassische Schema von Vorlesung und Übung aufgebrochen.

  4. Du hast Recht. Aber ich denke, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird bis sich das eLearning durchsetzt.
    Die dahingehende Entwicklung kann man schließlich schon heute an der Durchführung eines Fernstudiums beobachten.
    Ich selbst habe mich vor Beginn meines Studiums ebenso für den Online-Studiengang „Web- & Medieninformatik“ interessiert:
    http://www.w3l.de/w3l/jsp/startseite/index.jsp?navID=onlinestudium

    Im Endeffekt habe ich mich dann doch dagegen entschieden, da solch ein Studium verdammt viel Eigeninitiative und Selbstdisziplin erfordert.

    Vielleicht ist DAS ja auch der Grund warum nicht alle Studiengänge auf eLearning umgestellt werden.
    Schließlich gibt es nunmal auch Menschen, die NICHT diese Disziplin haben und sich zu Hause ein paar Stunden zum Lernen motivieren können.
    Diesen „faulen“ Studenten fällt es sicherlich leichter sich täglich zum Campus zu „schleppen“ und dort zu Lernen, anstatt zu Hause bei allmöglichen Ablenkungen am Ball zu bleiben.

    Na ja, trotzdem denke ich, dass sich das eLearning bald durchsetzen wird. Man sollte den Studenten wenigstens die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, ob man an einer Präsenzveranstaltung teilnehmen möchte, oder den Stoff lieber zu Hause am Computer durchnimmt.

    Sapere aude

  5. Das „zuhause lernen“ muss dabei nicht langweilig sein: Je interaktiver die Programme dafür gemacht werden, desto effektiver kann das Lernen sein. Aber genau da steht die Sache wohl erst ganz am Anfang…

  6. Pingback: Oliver Gassner