Rivva, Techmeme und die gute alte Zeitung

Frank Patzig hat es schon im Juli treffend auf den Punkt gebracht und Rivva sehr gelobt. Rivva ist eine Entwicklung von Frank Westphal und orientiert sich am amerikanischen Vorbild Techmeme.

Hier wird versucht, aus der Vielzahl an Blogartikeln wichtige Beiträge herauszufiltern und aufzuzeigen. Maßgeblich für die Wichtigkeit ist dabei unter anderem die Verlinkung aus anderen Blogs auf den jeweiligen Beitrag. Mein Blog hat es auf diese Weise bereits (oder erst) zweimal in die Schlagzeilen bei Rivva geschafft (wenn ich mich recht erinnere).

Dieses Prinzip der „elektronischen Redaktion“ könnte man auch vermarkten und als individuell konfigurierbare Lizenz anbieten. Große Unternehmen beispielsweise, über die in der Blogosphäre häufig berichtet und debattiert wird, könnten so gezielt die wichtigen Beiträge über ihr Haus heraufiltern lassen und dann (manuell) auswerten. Das könnte einfacher und effizienter sein als über Suchmaschinen wie Google oder Technorati Wichtiges von Unwichtigem (von Hand) zu trennen.

Oder umgekehrt: Ein Unternehmen möchte sein Wettbewerbsumfeld beobachten, dabei aber nur Beiträge (samt den weiterführenden Diskussionen) aufgezeigt bekommen, die eine gewisse Aufmerksamkeitsschwelle überschreiten. Dafür müsste man die Software so einstellen können, dass nicht die gesamte Blogosphäre, sondern nur dieser relevante Ausschnitt gescannt wird.

Und für private Blogleser könnte man daraus eine richtige Web 2.0 Plattform entwickeln, wo man sich registrieren und dann sein indivduelles Wunschmenü zusammenstellen kann. Dazu sollte dann noch RSS so integriert werden, dass man von seinen (Lieblings-) Blogs alle Beiträge zu sehen bekommt, während der „Rest“ eben gefiltert wird.

Spätestens an die dieser Stelle müssen die guten alten Zeitungsverlage sich Gedanken machen, wie sie noch auf diesen Zug aufspringen können! Denn sonst entsteht im Netz schon bald ein ziemlich perfektes Nachrichtensystem, das ganz ohne Zeitungen lebt und wo allenfalls noch nach der Schnittstelle zu Facebook (und Konsorten) gefragt wird, nicht mehr aber nach den Schlagzeilen der New York Times.

Andreas Göldi, der die Debatte um „Zeitungen ohne Papier“ angestoßen hat, stellt hier in einer Liste eine Reihe sehr guter Vorschläge zusammen, um den Zeitungsverlagen auf die Sprünge zu helfen. Die Kompatibiltät zu Anwendungen wie Rivva oder Techmeme sollte er meines Erachtens noch ergänzen, auch wenn hier noch vieles erst im Werden ist.